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Bachmann, Celan, Frisch auf der Bühne: Grosse Worte an der Wäscheleine

Zwischen Seeufer und Pfänderbahn irrlichtern in «Die collagierte Zeit» am Vorarlberger Landestheater die Texte von Max Frisch, Paul Celan und Ingeborg Bachmann herum. Was fehlt, ist ein klarer roter Faden.
Bettina Kugler
Lyrik als «Flaschenpost»: Manfred Böll und Johanna Köster in «Die collagierte Zeit». (Bild: Anja Köhler)

Lyrik als «Flaschenpost»: Manfred Böll und Johanna Köster in «Die collagierte Zeit». (Bild: Anja Köhler)

Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Der Titel des populärphilosophischen Bestsellers von Richard David Precht passt gut zu dem, was Simon Meienreis als Dramatiker und Regisseur mit seinem literarisch ambitionierten Theaterabend «Die collagierte Zeit» im Grossen Haus des Vorarlberger Landestheaters Bregenz auf die Bühne bringt: die Spurensuche eines namenlos bleibenden alten Mannes. In seiner bruchstückhaft angedeuteten Lebensgeschichte werden die Stimmen dreier bedeutender Dichter und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts vernehmbar: Max Frisch, Paul Celan und Ingeborg Bachmann. Durch die Liebesbeziehungen Ingeborg Bachmanns zu beiden Männern sind ihre Biografien dramatisch miteinander verknüpft. Das könnte Stoff für ein psychologisch angelegtes Kammerspiel geben – zumal sich alle drei ausgiebig in Briefen wie in ­literarischen Texten zu ihren komplizierten Banden geäussert haben. Es träte ihnen aber andererseits sehr nahe und wäre wohl ziemlich kitschverdächtig.

Sie kommen zu Wort, sind aber nicht zu fassen

So hält sich «Die collagierte Zeit» mit Behauptungen zurück und setzt stattdessen rund neunzig Minuten lang auf das Prinzip Assoziation. Aus Briefzitaten, Gedichten, der Rede Paul Celans zur Verleihung des Bremer Literaturpreises und Anspielungen auf Max Frischs biografische Entwürfe hat Simon Meienreis eine Bühnencollage erarbeitet, in der die drei literarischen Giganten zwar ausgiebig zu Wort kommen. Zu fassen sind sie freilich nicht – auch nicht für den Alten (Manfred Böll). Seine Behausung ist eine Wellblechhütte (Bühne und Kostüm: Mirella Oestreicher): über Videoeinspielungen und Live­kamera kann man ihn dort hocken sehen, oder er fährt mit der Seilbahn auf den Pfänder, taucht ein in mögliche Versionen seines Lebens oder die Flachwasserzone des Bodensees.

Gedichtzeilen werden zum Gespräch

In drei Teile gliedert sich die szenische Collage. Steht zunächst Frisch im Vordergrund, die Briefe zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachmann, rückt später die Lyrik ins Zentrum – und rechtfertigt mit Celans «Corona» und der darin enthaltenen Schlüsselzeile «Wir sagen uns Dunkles» auch den hohen Ton, die Lust an der Spracharbeit bis zur Schmerzgrenze. Während Johanna Köster und Tobias Krüger die Rollen und Kostüme wechseln, beginnen die Worte der im Hintergrund eingeblendeten Gedichte ein Eigenleben zu führen. Das macht Lust, diesen Spuren nachzugehen, sich in die Zeit zurückzuversetzen, in der Celan und Bachmann um die Möglichkeiten der Sprache im Echoraum von Nationalsozialismus und Shoa rangen. Doch statt eines roten Fadens gibt es nur eine Wäscheleine auf der Bühne: als Aufhänger für zeitlos grosse Texte.

Nächste Vorstellungen: heute Di, 26.3., 6./12./24.4., 19.30 Uhr, Kornmarkttheater Bregenz

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