Grosse Regionale in Rapperswil-Jona: Wenige Kunstperlen stechen aus dem Mittelmass heraus

47 Künstler wurden aus 217 Bewerbungen ausgewählt. Trotzdem überzeugen an der jurierten Gruppenausstellung nicht alle Positionen.

Christina Genova
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Serie «Enough» von Katrin Hotz im Kunstzeughaus.

Serie «Enough» von Katrin Hotz im Kunstzeughaus.

Bild: Andri Stalder

Die Distanz von der Erde zum Mond wird in der Alten Fabrik in Rapperswil-Jona mit Kartonschachteln überwunden. 50 Jahre nach der ersten Mondlandung weist Aramis Navarro mit seinem Kunstwerk «Du monde zum Mond» darauf hin, dass die in einem Jahr weltweit versandten Pappschachteln flach aufeinandergestapelt von der Erde zum Mond reichen würden. Auf schwarz bemalte Kartons hat er die beiden Himmelskörper als einfache Kreise gemalt, Grösse und Distanz sind massstabgetreu. Ökologische Fragen klingen ebenso an wie eine gewisse Verspieltheit und Sprachwitz.

Der erst 28-jährige Navarro ist einer von 47 Kunstschaffenden, die an der Grossen Regionalen im Kunstzeughaus und in der Alten Fabrik Rapperswil-­Jona vertreten sind. Das Interesse ist gross: Insgesamt sind 217 Einsendungen eingegangen. An der jurierten Gruppenausstellung, die letztmals vor drei Jahren stattfand, sind die Kantone St.Gallen, Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden, Glarus, Schwyz und Zürich beteiligt.

Abschied vom Abbruchhaus in Oberriet

Die Zweikanal-Videoinstallation von Johanna Gschwend ist eine Hommage an ein dem Abbruch geweihtes Haus in Oberriet.

Die Zweikanal-Videoinstallation von Johanna Gschwend ist eine Hommage an ein dem Abbruch geweihtes Haus in Oberriet.

Bild: Peter Baracchi

Bei jurierten Ausstellungen gilt es, aus einer heterogenen Auswahl an Positionen eine Schau aus einem Guss zusammenzustellen. Gut gelungen ist dies in der Alten Fabrik, wo die Räumlichkeiten überschaubar sind. Schwieriger und weniger gelungen ist es im Kunstzeughaus, wo der verwinkelte Raum und der dominante Dachstuhl zusätzliche Herausforderung darstellen. Während vor drei Jahren die Malerei sehr viel Platz einnahm, hat man bei dieser Ausgabe auf eine ausgewogene Vertretung der verschiedenen Medien geachtet. Ein weiterer viel gehörter Vorwurf, dass immer dieselben Kunstschaffenden zum Zuge kommen, wird entkräftet: Nur sechs waren schon vor drei Jahren dabei. Auch die sechsköpfige Jury wurde komplett neu besetzt.

Nicht alle Arbeiten vermögen einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Doch einige Perlen stechen aus dem Mittelmass heraus, dazu gehört die Arbeit von Johanna Gschwend: In ihrer Zweikanal-Videoarbeit nimmt die gebürtige Rheintalerin liebevoll Abschied von einem alten Haus in Oberriet, das kurz vor dem Abriss steht. Sie wirft damit ein Schlaglicht auf die baulichen Veränderungen im ländlichen Raum.

Die Entfernung von der Erde zum Mond gemessen in Kartonschachteln: Wandarbeit «Du monde zum Mond» von Aramis Navarro.

Die Entfernung von der Erde zum Mond gemessen in Kartonschachteln: Wandarbeit «Du monde zum Mond» von Aramis Navarro.

Bild: Peter Baracchi

Geheimnisvoll und poetisch ist die Fotoserie «Lange Schatten» der Gaiserin Regula Engeler, die sie mit einer Loch- und einer Kleinbildkamera aufgenommen hat. Der Zürcher Patric Sandri untersucht das Medium Malerei, indem er Neonfarbe auf der Rückseite von Leinwänden aufträgt. Die leuchtenden Farben finden auf der Vorderseite einen zarten Widerschein. Im Kunstzeughaus zieht die raumspezifische Arbeit der Glarnerin Katrin Hotz beim Treppenaufgang alle Blicke auf sich. Papierbahnen, mit glänzenden und matten Farben bemalt und teilweise zerknittert, überlagern sich auf den Stufen und an den Wänden. Wunderbar zart sind die Grafitzeichnungen der St.Gallerin Lucie Schenker. Ihre Steine wirken weich und schwebend.

Die Wädenswilerin Marianne Klein ist die älteste Teilnehmerin. Mit ihrer zu Musik von Chatschaturjan und Schostakowitsch gemalten Bildern beweist sie, dass sie auch noch mit 80 Jahren künstlerisch etwas zu sagen hat.

Bis 2. Februar, Kunstzeughaus und Alte Fabrik Rapperswil-Jona.

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Christina Genova

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