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Grisham lässt seinen perfekten Anfang versanden

John Grishams neuester Wurf bietet gleich zu Beginn einen echten Knaller. Dann verliert er sich ins Weitschweifige. Der Weltkrieg im Pazifik ist als Hintergrund interessant.
Arno Renggli

Für horrendes Erzähltempo ist US-Starautor John Grisham nicht bekannt. Zumindest nicht, seit er die Phase rasanter Thriller wie «Die Jury», «Die Firma» oder «Die Akte» hinter sich gelassen hat. Gerne schildert er die Ereignisse in ausführlichem Berichtstil. Wobei er in der Figurenzeichnung, pointierten Dialogen und gut recherchierten Hintergründen seine Qualitäten hat.

Sein neuer Roman «Das Bekenntnis» indes beginnt mit einer Fulminanz, die kaum zu toppen ist: Der erfolgreiche Farmer und hochdekorierte Weltkriegsveteran Pete Banning marschiert an einem Morgen des Jahres 1946 in die Kirche eines beliebten Pfarrers und erschiesst diesen. Dann lässt er sich verhaften und verweigert fortan jede Auskunft über sein Motiv. Dieses, man ahnt es, bildet den Cliffhanger bis zum Schluss des Romans. Bevor man es also erfährt, muss man noch einiges durchlesen, in diesem Fall fast 600 Seiten, was auch für Grisham viel ist.

Zunächst nimmt die Story den typischen Verlauf: Es kommt zum Prozess mit den üblichen Ingredienzen von betroffenen Angehörigen und emsigen Rechtsvertretern hüben wie drüben, der Auswahl von Geschworenen, Zeugenaussagen mit viel Redundanz und Plädoyers mit noch mehr davon. Der Angeklagte verweigert weiterhin die Aussage und bereitet sich auf das Todesurteil vor. In einem Revisionsprozess geht’s nochmals von vorne los. Dann findet das Ganze sein durchaus heftiges Ende, und wir sind in der Mitte des Buches.

Leiden und Heldentum der US-Soldaten

Hier blendet Grisham zurück und zeigt den Protagonisten zuerst als jungen Mann und alsbald Familienvater, dann als US-Lieutenant auf den Philippinen im Kampf gegen die Japaner. Dort wird er gefangen genommen und mit Zehntausenden anderen Amerikanern in brutalen Märschen in noch brutalere Gefangenenlager gezwungen. Das Martyrium endet, als ihm die Flucht gelingt und er sich inoffiziellen US-Verbänden anschliesst, welche die Japaner guerillamässig bekämpfen. Hier wird er zum Helden.

Nach den zum Teil sehr ausführlichen Schilderungen der direkten und indirekten Grausamkeiten des Kriegs weiss man immer noch nicht, wieso Banning den Pfarrer ermordet hat. Allerdings sind diese Schilderungen gerade für Europäer interessant, weil wir eher von der europäischen Seite des Zweiten Weltkriegs wissen, der aber im Pazifik kaum weniger heftig tobte. Vielleicht wird Grisham im Berichten über die Heldentaten der US-Guerillas etwas zu patriotisch.

Erst im letzten Teil des Buches finden Tochter und Sohn des Mörders heraus, was dessen Motiv war. Wobei man längst ahnt: Es hat etwas mit ihrer Mutter zu, die seit Jahren in einer Heilanstalt sitzt. Grisham bietet in der Auflösung eine Überraschung, welche die Tat fast ins Licht einer griechischen Tragödie rückt. Im Zusammenführen der Fäden zeigt Grisham seine erzählerische Klasse, die sich davor etwas in der Weitschweifigkeit verloren hat. Am Ende hinterlässt das Buch durchaus einen emotionalen Nachhall.

John Grisham: Das Bekenntnis. Heyne, 592 S.,

Fr. 34.–

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