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Grenzenloses Ländle

Armin Öhri gewinnt mit seinem historischen Berlin-Krimi «Die dunkle Muse» den Europäischen Literaturpreis. Aber der in Grabs lebende Liechtensteiner ist schon längst beim nächsten Projekt, einem Nationalepos der Heimat.
Valeria Heintges
Der Hausherr vor der Haustür: Armin Öhri mit seinen historischen Krimis um den Tatortzeichner Julius Bentheim, dem geehrten «Die dunkle Muse» und dem Nachfolger «Der Bund der Okkultisten». (Bild: Coralie Wenger)

Der Hausherr vor der Haustür: Armin Öhri mit seinen historischen Krimis um den Tatortzeichner Julius Bentheim, dem geehrten «Die dunkle Muse» und dem Nachfolger «Der Bund der Okkultisten». (Bild: Coralie Wenger)

Gerade ist Armin Öhri aus Brüssel zurückgekommen. Dort nahm der 36-Jährige den Europäischen Literaturpreis 2014 entgegen, liess sich mit zwölf Autoren feiern, denen nationale Juries und die Europäische Kommission bescheinigten, «die besten Nachwuchsautorinnen und -autoren in Europa» zu sein.

Übersetzung ins Bulgarische

Zurück in Grabs, ist Öhri noch voller Erlebnisse, erzählt von der engen Programmplanung in Brüssel, schwärmt von Marente de Moor, einer Mit-Preisträgerin und Tochter der Autorin Margriet de Moor, und berichtet von der bulgarischen Ausgabe seines Buches «Die dunkle Muse», deren Übersetzung durch den Preis schon gesichert ist.

Doch «Die dunkle Muse» ist für Öhri eigentlich längst abgehakt. Der erste Teil seiner Julius-Bentheim-Trilogie, in der er den jugendlichen Tatortzeichner als Ermittler durch das historische Berlin der 1870er-Jahre schickt, erschien bereits im August 2012 im baden-württembergischen Gmeiner Verlag – und auch der Nachfolger «Der Bund der Okkultisten» ist seit diesem März im Handel. Der dritte und vorerst abschliessende Teil wird im nächsten Sommer erscheinen. Das Buch hat zwar noch keinen Titel – jedenfalls keinen, den Öhri verraten würde – aber in Gedanken ist er auch damit fertig.

Nur mühsam lässt er sich im Gespräch wieder auf die Trilogie ein, will viel lieber von neuen Projekten berichten. Aber einige Fragen müssen doch geklärt werden: Warum ein Tatortzeichner? Weil der Liechtensteiner etwas Besonderes wollte. Und warum in «Die dunkle Muse» ein Mord, der schon auf den ersten Seiten aufgeklärt wird? Weil der Autor wie sein unsympathischer, intelligenter Mörder, der rothaarige Philosophieprofessor Balthasar Goltz, sich für den perfekten Mord interessiert, den Balthasar Goltz wegen einer Wette begehen will.

So, genug von der Vergangenheit, auf zu neuen Projekten! Nichts weniger als ein «Liechtensteiner Nationalepos» soll das neue Werk, ein Opus Magnum, werden. Von einem Jahrhundert Geschichte soll es handeln, das Leben des Wilhelm Anton Risch von 1927 bis 2016, vom Bauernsohn zum Treuhänder erzählen.

«Liechtenstein ist viel mehr als Geldwäsche und der Fürst», sagt Öhri, der in Ruggell geboren wurde und der Liebe wegen über den Rhein wechselte. «Viel mehr, viel komplizierter.» Die Rheinüberschwemmung 1927 zum Beispiel werde «eine ganz tolle Geschichte, hab' ich das Gefühl», sagt der Autor selbstbewusst.

Dass Öhri mit seinen Geschichten im Heute ankommt, ist neu. Bisher hat er nur Werke geschrieben, die «vor einem geschichtlichen Hintergrund spielen» und in denen «mindestens eine Person im Verlauf der Handlung ums Leben kommt», schreibt er auf seiner Webseite.

Der erfundene Philosoph

Öhri scheut sich nicht, als Vorbilder grosse Namen wie Emile Zola, Honoré de Balzac oder Charles Dickens zu nennen – und auch nicht, im selben Atemzug Hergés «Tim und Struppi»-Comics zu nennen. Öhri, der als Deutschlehrer in der Erwachsenenbildung arbeitet, lädt zum Gespräch in sein Grabser Privathaus, in dem er mit Freundin Vanessa Tschirky und gemeinsamem Sohn lebt. Er berichtet von Anspielungen, die er in seine Werke einbaut, von Motiven, die er wiederkehren lässt. So gibt es den scheinbar historischen Philosophen Alfredo Casanelli in allen Werken, obwohl er den Namen erfunden hat.

Es macht ihm keinen Stress, sondern Spass, Schule und Schreiben zusammenzubringen. Ein Mensch, mit sich im Reinen, der ganz im Heute lebt, mit historischen Romanen seinem Interesse für Geschichte folgt – und mit Themen und Handlungsorten auf den Markt schielt, wie er zugibt. Liechtenstein ist klein, das Interesse dafür nicht viel grösser – und so schickt er Julius Bentheim durch Berlin und Cyprian von Warnstedt, den Inspektor der kaiserlich-königlichen Gendarmerie, durch Wien. Das Faible fürs Historische hat Öhri wohl geleitet, den Club Liechtensteiner Autoren «Literatursalon» zu nennen. Die Frage, ob er nicht Angst habe, dass der «Landesverband» allzu sehr in der eigenen Suppe koche, mag er nicht hören. Lieber preist er den Salon als «Erfolgsgeschichte», lobt Vereinsleben und neue Übersetzungen. Nein, bisher ist der Liechtensteiner noch nicht an Grenzen gestossen.

Öhri im Internet: literatursalon.li

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