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Gotthard als Ländler? Geht!

Die vier Musiker sind Cheibe Choge, und so nennen sie sich. Bald bringen sie optimierte Volksmusik auf die Bühne – als basisdemokratisches Programm. Wir hörten bei Proben zu – cheibe guet.
Dieter Langhart
Volksmusik einmal anders: Cheibe Choge. (Bild: Dieter Langhart)

Volksmusik einmal anders: Cheibe Choge. (Bild: Dieter Langhart)

1969. Gastauftritt der Minstrels an der Olma. Sauglatt ihre «Frau Stirnimaa», die dann siebzehn Wochen in der Hitparade hockt. Der Song ist einer von 30 Evergreens der Schweiz, die sich vier moderne Minstrels unter den Nagel gerissen haben: die Cheibe Choge um den Weinfelder Christoph Hartmann.

Der Text bleibt: «Ja grüezi wohl, Frau Stirnimaa, säged si, wie läbed si, wie sind si au so dra?» Die Melodie bleibt erkennbar, trotz Improvisationen und Spielwitz. Den Stil aber, den wird das Publikum frei wählen können: Latin mit Beatbox oder Rock 'n' Roll mit grellem Sax oder Chanson mit Querflöte. Die Sprache wechselt dann. «Bei <Hola señora frontal esposo> merkt man erst, wie bescheuert der Text ist», sagt Christoph Hartmann. Und zupft stoisch weiter den Stehbass und lässt seine Mitspieler Andreas Stern (St. Gallen), Stefan Christinger (Schlattingen) und Corsin Schwarzer (Ermatingen) weiter probieren, improvisieren, tüfteln. Jetzt nimmt sich das Quartett «I schänke dr mis Härz» von Züri West vor, auch dieser Song wird zum lüpfigen Ländler dank der Klarinette. Und selbst «Heaven» von Gotthard klingt auf einmal wie Volksmusik.

«Es ist wie in der Wirtschaft: Wir optimieren, machen also optimierte Volksmusik», sagt Hartmann. «Quasi Offshore-Musik, denn unklar ist die Herkunft der Stücke.» Wie in der Wirtschaft ist auch die Hierarchie klar: Arrangeur Hartmann steht hinter dem höchsten Pult. Als Globalisierungs-Gegensteuer setzen die Cheibe Choge in ihrem Programm «Hundertprozent!» basisdemokratische Mittel ein. Beziehen das Publikum mit ein, achten auf Mehrheiten, fragen, wer sich wie weit anpassen muss: «Darf man alles wünschen können?» Es geht um Selbst- und um Mitbestimmung. Und die vier müssen viel mehr einüben, als sie spielen können – sie wissen nie, welche Version eines Stücks sich die Zuhörer wünschen. Selbst die Band stellt sich der Frage, ob denn alles optimiert werden soll – und spart gleich den Techniker ein. Dann macht Christoph Hartmann eine Andeutung: «Vielleicht braucht es ja gar nicht vier Musiker?»

Premiere: Fr, 4.11., 20 Uhr, Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld Tourdaten: cheibechoge.ch

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