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Auf dem Ballenberg gibt es
Gottfried Keller mit Technomusik

Elektronische Musik auf dem Ladewagen oder ein Bauer, der mit dem Motorroller vorfährt: Das Landschaftstheater zeigt ein teils in die Gegenwart geholtes «Romeo und Julia auf dem Dorfe».
Unerlaubte Liebe: Sali (Saladin Dellers) und Vreneli (Aline Beetschen). (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 3. Juli 2019)

Unerlaubte Liebe: Sali (Saladin Dellers) und Vreneli (Aline Beetschen). (Bild: Urs Flüeler/Keystone, 3. Juli 2019)

(sda)

Am Mittwochabend feierte das Landschaftstheater Ballenberg Premiere mit seiner 25. Produktion. Vor der Kulisse altehrwürdiger Bauernhäuser bekommen die Zuschauer einen Mix aus Alt und Neu zu sehen. Ein Teil der Schauspieler trägt Kleider aus dem 19. Jahrhundert, in dem Gottfried Keller seine Novelle schrieb. Es gibt auch viele Szenen, in denen man sich in diese Zeit zurückversetzt fühlt. Etwa dann, wenn die zwei in einen erbitterten Streit geratenen Bauern Manz und Marti einander mit Gabeln Mist aufs Grundstück werfen.

Anderseits tritt ein Teil der Akteure in modernen Kleidern auf und fährt auf einem Chilbiwagen zu elektronischer Musik herum. Und wenn Keller den verarmten Manz in Seldwyla im Originaltext eine kleine Wirtschaft übernehmen lässt, zieht der alternde Bauer auf dem Ballenberg am Steuer eines VW Golf einen fahrbaren Imbissstand aufs Spielgelände.

Ein Stück auch über Abzocker

Viel stärker als im Original konzentriert sich der Luzerner Autor Heinz Stalder in seiner Adaptation der Keller-Novelle zudem auf all die Figuren, welche Manz und Marti vollends in den Ruin treiben: ein Anwalt, ein Immobilienmakler, eine Anlageberaterin und ein Viehhändler.

Zum Jubiläum der 25. Inszenierung entschieden sich die Ballenberger Theaterleute, dasselbe Stück wie bei der ersten Aufführung von 1991 zu wählen, eben «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Die Idee dazu hatte einer der Gründer des Vereins Landschaftstheater Ballenberg, Paul Eggenschwiler. Der 72-Jährige meinte dazu: Genau in den Figuren, die die Bauern bedrängen, zeige sich die Aktualität des Keller-Stücks. «Das sind Abzocker und Spekulanten. Gutsituierte betrügen Minderbemittelte – und unter der Not leiden die Kinder.»

Die neue «Romeo und Julia»-­Inszenierung sei «komplett anders» als jene des Jahrs 1991, sagt der gelernte Zimmermann und frühere Flugplatzangestellte. Damals seien die gut 300 Zuschauer mit den Schauspielern noch von einem Spielort zum anderen gezogen. «Heute, bei gut 700 Zuschauern, geht das nicht mehr.»

Eggenschwiler spielt zum 18. Mal selber auf dem Ballenberg mit und war auch 1991 dabei. In der aktuellen Inszenierung gibt er den Bauern Manz, den Vater von Sali. Dieser und die Tochter des mit Manz verfeindeten Marti, das Vreneli, verlieben sich und sehen am Ende den Ausweg nur noch im Tod – eben wie bei Shakespeare. Dass das Landschaftstheater Ballenberg ein Keller-Stück zeigt, liegt auch daran, dass sich am 19. Juli der Geburtstag des Zürcher Autors zum 200. Mal jährt.

Zwei Profis und fast 40 Laien

Das Publikum verdankte am Mittwochabend die aktualisierte Keller-Inszenierung unter der Regie von Andreas Zimmermann mit einem starken Applaus. Wie immer sind – mit Ausnahme der beiden Protagonisten – die rund 40 Schauspieler Laien. So wie Eggenschwiler, der indes auf eine lange Theaterkarriere zurückblicken kann, auch schon selber Regie führte und etwa im Schweizer Film «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» auftrat. (sda)

Noch 26 Aufführungen bis 17. August: Infos/Vorverkauf: www.landschaftstheater-ballenberg.ch.

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