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Gottesliebe als Hingabe mit Haut und Haar

Bettina Kugler

Konzert Ein Dreiklang in strahlendem E-Dur steht am Beginn des Orchestervorspiels; die Orgel jubiliert, das Fest scheint in den ersten Takten der Kantate «Ich geh und suche nach Verlangen» BWV 49 seinen Höhepunkt bereits erreicht zu haben. Hört man jedoch genauer hin, hat Bach das suchende Verlangen der Bass- Arie mit hineingenommen in die Sinfonia: Jörg Andreas Bötticher legt an der Orgel diese verschlungene Spur mit virtuoser Klarheit.

Der himmlischen Hochzeit, von der im Dialog des Kantatentexts die Rede ist, geht hörbare Sehnsucht voraus. Geradezu opernhaft treten Bass und Sopran, Jesus als Bräutigam und die gläubige Seele, im Rezitativ ins Gespräch. Dazu passt, dass die engelsschön singende Nuria Rial in den beiden Kantaten-Aufführungen des Trogner Bachzyklus unter der Leitung von Rudolf Lutz bis zum letzten Moment des Rezitativs in der ersten Reihe sitzen bleibt, dann aber Sebastian Noack punktgenau ins geschmeidig geführte Wort fällt: «Mein Jesus redt von mir; o Stimme, welche mich erfreut!» Diese Beglückung dürfte an diesem Abend auf Gegenseitigkeit beruhen.

Lustvolles Musizieren, erotische Theologie

Einleuchtend und mit innerer Zugkraft interpretierte das Orchester der Bach-Stiftung diese absichtsvoll komplizierte Musik. Die Streicher überliessen der Orgel den göttlichen Glanz; Oboe d’amore (Philipp Wagner) und Violoncello piccolo (Martin Zeller) umschmeichelten die beiden Gesangssolisten. So lustvoll und launig, wie Rudolf Lutz die Themen und harmonischen Entwicklungen schon in der Einführung vor dem Konzert kommentiert hatte, stürzte er sich anschliessend ins Vergnügen. Es brauchte kaum mehr als einen kleinen Wink, und die Tempi und Affekte stimmten. Besonders bei Sopranistin Nuria Rial entfalteten sich Text und vokale Linien überaus natürlich, als sei ihr jeder Ton, sei jedes Wort ein Herzensanliegen.

Mit kritischem Verstand näherte sich die Theologin Karin Scheiber der Brautmystik, wie sie in dieser «Hochzeitskantate» der frommen Art zum Ausdruck kommt. Die Hingabe mit Haut und Haar sei hier zu erleben, Begehren und Berührtwerden. Dabei gehe es der erotischen Theologie nicht darum, die Religion in einer sexversessenen Zeit «durch die Hintertür salonfähig» zu machen. Sondern darum, in allen Spielarten menschlicher Liebe die Gottesliebe zu entdecken, auch in der erotischen. Eros, so Karin Scheiber, sei kein Gott. Doch auch kein Dämon.

Bettina Kugler

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