Popkultur-Glosse
Gwyneth Paltrow jammert: «Promi-Kinder haben es schwerer in Hollywood!» Echt jetzt?!

Vetternwirtschaft in der Filmindustrie wird heiss diskutiert, weil diverse Promi-Kinder dem Vorbild der berühmten Eltern folgen. Gwyneth Paltrow hat ihren Senf zum Thema gegeben und der ist schwer verdaulich - einmal mehr.

Nadja Zeindler
Nadja Zeindler
Drucken
Gwyneth Paltrow glaubt, wer Promi-Eltern hat, hat es in Hollywood schwerer.

Gwyneth Paltrow glaubt, wer Promi-Eltern hat, hat es in Hollywood schwerer.

Keystone

Wenn Gwyneth Paltrow ihren Mund öffnet, kommt meistens etwas raus, über das man im besten Fall lacht und sich im schlechtesten Fall sprachlos die Hände vors Gesicht klatscht. Die Schauspielerin gibt längst nicht mehr mit ihren Filmen zu reden, dafür mit ihrem Lifestyle Blog «Goop», wo sie regelmässig irgendwelchen Stuss verkündet: Gesundheitstipps, wie die angeblichen Vorteile, sich die Vagina zu dämpfen oder sich Jade Eier in ebendiese zu schoppen, um angeblich Hormone auszugleichen. Oder sie preist eine Kerze an, die nach Vagina duftet. Ich erkenne hier leicht einen Roten Faden.

Aber egal. Jetzt hat sie wieder einen enthusiastischen Köpfler ins Fettnäpfchen gemacht und in der Youtube-Show von Model Hailey Baldwin verkündet: Promi-Kinder – im englischen gerne «Nebotism-Babies» oder «Nepo-Babies» genannt – müssen doppelt so hart arbeiten, um es in Hollywood zu schaffen. Natürlich bekomme man leichter Zugang, «aber wenn du einen Fuss drin hast, musst du doppelt so gut sein, wie die anderen.» Denn man werde sofort unfair verurteilt. Und ich gebe ihr Recht – mit einem dicken, fetten «Aber!»

Gwyneth Paltrow im Gespräch mit Hailey Bieber. Ab 2:57 geht's um «Nepotsim».

Youtube

Gwyneth Paltrow ist ein Promi-Kind. Ihr Mami ist Schauspielerin Blythe Danner, ihr verstorbener Vater war Regisseur Bruce Paltrow und ihr Patenonkel ist Steven Spielberg. Er hat ihr 1991 auch eine ihrer ersten Rollen im Peter Pan-Film «Hook» gegeben. Natürlich ist sie eine talentierte Schauspielerin und hat dafür auch einen Oscar gewonnen. Aber: Ohne die berühmten Eltern wäre ihr Einstieg nicht so leicht gewesen und jetzt darüber zu jammern ist einmal mehr Stuss.

Aktuell wimmelt es in der Promi-Welt von «Nepotism-Babies»: So wie Gwyneth’s Gesprächspartnerin Hailey Bieber, die Nichte von Alec Baldwin. Oder die Kinder von Will Smith, die Tochter von Sänger Billy Ray Cyrus, die Kinder von Model Yolanda Hadid und Cindy Crawford, die Tochter von Ethan Hawke und Uma Thurman, die Tochter von Lenny Kravitz usw.

Gwyneth Paltrow ist selbst Promi-Kind. Ihre Mama ist Schauspielerin Blythe Danner und spielte ua. neben Robert De Niro im Film «Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich» mit.
11 Bilder
Model Hailey Bieber ist die Tochter von Schauspieler Stephen Baldwin, bekannt aus «Die üblichen Verdächtigen»...
und die Nichte von Alec Baldwin.
Willow (2.v.l.) und Jaden Smith (2.v.r.) konnten sich dank Papa Will schon als Kinder im Musik- bzw. Filmbusiness versuchen.
Countrysänger Billy Ray Cyrus wurde Anfang der 90er Jahre zum Star. Später unterstützte er seine Tochter Miley Cyrus, die mit ihm an ihrer Seite in der Serie «Hannah Montana» berühmt wurde.
Yolanda Hadid arbeitete in den 80er Jahren als Model und spielt heute in der Reality TV-Show «The Real Houswives of Beverly Hills» mit. Ihre Töchter Bella und Gigi Hadid folgen ihrem Vorbild und gelten heute als Topmodels.
Die Ähnlichkeit ist unverkennbar: Auch Supermodel Cindy Crawford ebnete ihrer Tochter Kaia Gerber den Einstieg ins Modelbusiness.
Maya Hawke spielt in der Hit-Serie «Stranger Things» seit der 2. Staffel mit.
Ihre Eltern: Superstars Uma Thurman und Ethan Hawke.
Zoë Kravitz hat sich in Hollywood behauptet. Zuletzt begeisterte sie als Catwoman in «The Batman».
Das Talent liegt in der Familie: Ihre Mama ist Lisa Bonet, die in der «Bill Cosby Show» berühmt wurde und ihr Papa ist Rockstar Lenny Kravitz. Übrigens: «Aquaman»-Darsteller Jason Momoa war jahrelang ihr Stiefvater und noch heute stehen sie sich nahe.

Gwyneth Paltrow ist selbst Promi-Kind. Ihre Mama ist Schauspielerin Blythe Danner und spielte ua. neben Robert De Niro im Film «Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich» mit.

Keystone

Talent hin oder her: Sie alle hatten einen gewaltigen Vorteil gegenüber allen Nobodys. Und ja, sie werden dafür verurteilt. Aber das ist nicht unfair. Kardashian-Schwester Kendall Jenner hat in der familieneigenen Reality-Show erzählt, dass sie ihrem Mami mit 14 Jhren gesagt hat, sie wolle Model werden und ihre Mutter «hat ihr ‹Kris Jenner-Ding› gemacht und es ermöglicht.» Trotzdem habe ihr das den Job erschwert.

Tja, Pech Schätzchen, das ist der Preis, den du bezahlen musst. Andere müssen ewig unten durch und kämpfen, dir wird der Rote Teppich ausgerollt und dafür nimmt man dich nicht sofort ernst und beneidet dich. Das Leben ist kein Schoggistängel, deal with it.

Haben andere auch gemacht. Und manche sogar so gut, dass man vergessen hat, dass sie Promi-Kinder sind: Dakota Johnson, Tochter von 80er-Stars Melanie Griffith und Don Johnson – und Stieftochter von Antonio Banderas, Lily Collins, Tochter von Sänger Phil Collins, Angelina Jolie, Tochter von Schauspieler Jon Voight oder Jeff Bridges, Sohn von Lloyd Bridges. Apropos: Er hat in einem Interview offen gesagt «Ich bin dank ‹Nepotism› in Hollywood eingestiegen.» Sympathie pur. Andere verleugnen es lieber komplett.

Hollywood-Clan: Schauspieler Lloyd Bridges (mitte) liebte laut Sohn Jeff (rechts) das Filmbusiness so sehr, dass er seine Söhne auch hinein geführt hat.

Hollywood-Clan: Schauspieler Lloyd Bridges (mitte) liebte laut Sohn Jeff (rechts) das Filmbusiness so sehr, dass er seine Söhne auch hinein geführt hat.

Keystone

Kürzlich ging ein Tweet viral, weil jemandem aufgefallen ist, dass «Euphoria»-Darstellerin Maude Apatow die Tochter von Regisseur Judd Apatow und Schauspielerin Leslie Mann ist. Dank ihrem Papa musste sie nicht für ihre Rolle in der Hit-Serie vorsprechen. Und ja, sie ist in der Show fabelhaft.

Trotzdem sagt sie in Interviews, dass sie dank ihrer harten Arbeit so weit gekommen sei. Das mag vielleicht so sein. Aber in Hollywood – und dem Rest der Welt – schadet es nie, die richtigen Leute zu kennen. Stichwort: Vitamin B. Wenn Mama und Papa helfen können, geht’s schneller und einfacher vorwärts.

Twitter Screenshot

Und wer würde diesen Vorteil nicht selbst nutzen? Obwohl: Nicolas Cage hat es nicht getan. Geboren wurde er mit dem Namen Nicolas Coppola als Neffe des legendären Regisseurs Francis Ford Coppola. Um aber eben nicht dank dem berühmten Onkel an Rollen zu kommen, hat er sich einen Künstlernamen zugelegt. Respekt.

Trotzdem: Nichts gegen die «Nepotism-Babies», die sich und ihr Talent bewiesen haben. Aber wer dank Mama und Papa einen Fuss in die Tür bekommt und dann sagt, das habe keine Rolle gespielt oder man habe es sogar schwerer gehabt, schmeisst sämtliche Sympathien in hohem Bogen zum Fenster raus. Darum schliesse ich mich einmal mehr vielen Menschen im Internet an und sage: Halt die Klappe, Gwyneth Paltrow!