Kolumne

«Glamour, mon amour»: Was tun, wenn Roger Federer plötzlich vor einem steht?

Unsere Autorin Simone Meier hat den Weltstar getroffen – mitten in Zürich. In ihrer aktuellen Kolumne schildert sie, wie sie versuchte, den Moment für den Maestro so erträglich zu machen wie möglich.

Simone Meier
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Simone Meier Bild: CH Media

Simone Meier
Bild: CH Media

Roger Federer bin ich in meinem Leben bisher drei Mal begegnet. Also, nicht, dass er davon etwas bemerkt oder gar ein Wort mit mir gewechselt hätte, aber darum ging es gar nicht, ich finde, Stars haben ein Recht auf Privatheit und sollten nicht in jeder Sekunde des Tages wegen ihres Starseins behelligt werden, schon gar nicht von Pressemenschen. Jedenfalls versuche ich ausserhalb von Interviewterminen immer so zu tun, als ob ich Stars gar nicht erkennen würde, was mir natürlich nicht bis auffallend überhaupt nicht gelingt.

Das erste Mal sah ich Roger Federer vor vielen Jahren an den Swiss Indoors in Basel, ich war jung, brauchte das Geld und jobbte an den Swiss Indoors als Callgirl. Nicht als das, was Sie jetzt denken, ich trug einen unsexy weissen Overall, auf dem «Free Call» stand, trug eines der ersten Handys, das die Welt je gesehen hatte, mit mir herum und bot den Besucherinnen und Besuchern des Turniers dieses Handy für Gratisanrufe an.

Das war sehr aufregend, die Leute drückten auf die Tasten, als tätschelten sie ein Alien, riefen irgendwen an und sagten: «Du, ich bin an den Swiss Indoors! Verstehst du mich? Ich hör dich gerade ganz schlecht! Ich telefoniere mit so einem Dings, wie heisst es schon wieder? Mit so einem Nokia! Total verrückt! Gleich spielt ein Schweizer. Wie er heisst? Ich glaube Federer, tschüüüss!»

Ich glaube, ich konnte damals einen Blick auf ihn werfen. Auf einen Mann in Weiss, der Tennis spielte. Mehr weiss ich nicht mehr. Das zweite Mal war vor wenigen Jahren, mein Liebesleben und ich gingen durch die Bahnhofstrasse, und mein Liebesleben flüsterte: «Da vorn gehen Roger und Mirka.» Und da gingen sie, ganz im Bewusstsein ihrer eigenen Bedeutung gefangen. Sie schienen mir ein wenig tiefgefroren in jenem Moment.

Dann kam das dritte Mal, und das war magisch. Es geschah vor wenigen Tagen in Zürich. Wir streiften umher, wir sahen, dass vor einem alten Haus ein Kindergeburtstag vorbereitet wurde, rosa Papierteller lagen auf einem Tisch, Ballone waren aufgeblasen, unter malerischen Rosenbäumchen lagen Säcke parat, in denen die Kleinen Instagram-gerecht Sackhüpfen konnten.

Ich hatte meine Brille nicht dabei und bemerkte deshalb bloss, dass Gäste im Anmarsch waren, ich hatte keine Chance, sie zu identifizieren. Bis ein Mann mitten in Zürich plötzlich Baseldeutsch sprach. Und eine Frau sagte: «Es ist so schön, mal wieder draussen zu sein!» Und mein Liebesleben zischte: «Jetzt verhalte dich gaaanz unauffällig, da vorne stehen Roger und Mirka.»

Und ja, das taten sie. Samt all ihren Kindern. Ohne Bodyguard. Ich versuchte, fast nicht hinzuschauen, was mir annähernd gelang, ich sah bloss Roger in kurzer Hose und so entspannt, wie ein Mensch nur sein kann, und Mirka in einem leichten, schönen Kleid, mit einer schönen Frisur und so strahlend, wie ein Mensch nur sein kann. Was mich für die beiden total freute. Und für uns zwei höfliche Paparazzi natürlich auch.

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