Giftcocktail im Bodensee

Wegen seiner Grösse sei der Bodensee nie so stark verschmutzt gewesen wie andere Seen, erklärt Florian Altermatt von der Universität Zürich.

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Wegen seiner Grösse sei der Bodensee nie so stark verschmutzt gewesen wie andere Seen, erklärt Florian Altermatt von der Universität Zürich. Die Überdüngung der Schweizer Seen mit dem hohen Phosphateintrag hat die Zahl der einheimischen Felchenarten zwischen 1950 und 1990 um fast 40 Prozent reduziert. Durch Kläranlagen und Phosphatverbote wurde die Wasserqualität inzwischen deutlich verbessert.

«Aber auch im Bodensee werden einheimische Arten laufend durch neue ersetzt», sagt Altermatt. In den letzten 20 Jahren seien 50 bis 80 Prozent der wirbellosen Tiere durch eingewanderte ersetzt worden. Diese eigneten sich nicht mehr gleich gut als Fischfutter und reagierten anders im Ökosystem. Die fremden Arten stammten sogar aus dem Schwarzen Meer. Die Öffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals mache das möglich. «Der Mensch hat die Gebiete verknüpft.»

Zudem sind 50 Prozent des Bodenseeufers verbaut, für die Artenvielfalt wichtige Übergangszonen zwischen See und Ufer fehlten deshalb.

Immer mehr zum Problem werden nach Altermatter die Mikroverunreinigungen durch Medikamentenrückstände und Pestizide. Beide kommen zwar in kleiner Konzentration in den See, vereinen sich aber zu einem Giftcocktail, der Auswirkungen auf die Arten habe. (Kn.)