GIACOBBO/MÜLLER: Zwei Problemschauspieler

Was geschieht, wenn Fernsehgrössen ihre Sendung aufgeben? Sie brauchen eine Therapie. Genau dies wird Viktor Giacobbo und Mike Müller am Casinotheater Winterthur zuteil.

Rolf App
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Mike Müller (links) und Viktor Giacobbo (rechts) mitten in Dominique Müllers Therapie. (Bild: Chavela Zink)

Mike Müller (links) und Viktor Giacobbo (rechts) mitten in Dominique Müllers Therapie. (Bild: Chavela Zink)

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Am Ende der Premiere von «Giacobbo/Müller in Therapie» am Casinotheater Winterthur haben die Mikrofonträgerinnen und Kameramänner zu tun. Alle sind sie gekommen, von Nadja Schiltknecht bis Christine Egerszegi, von Roger Schawinski bis Ruedi Matter, von Katja Früh bis Franz Hohler, von Claude Janiak bis Natalie Rickli, von Philippe Gaydoul bis Hanna Scheuring, von Jacqueline Fehr bis Marc Sway, von Beni Thurnheer bis Anet Corti. «Wir kennen euch», hat Viktor Giacobbo noch von der Bühne herab mit leicht drohendem Unterton gesagt – in einer letzten überraschenden Wendung eines Stücks fast ohne Handlung, aber mit etlichen kuriosen Höhepunkten.

Dani Ziegler, für einmal ganz gesprächig

Ihr Coach, der purlimuntere Dominique Müller, hat Viktor Giacobbo und Mike Müller aufgefordert, doch einmal ans Publikum zu denken. Es darf nun Fragen stellen, schweigt aber mehr oder weniger. Wie es auch, ein Mal, demonstrativ nicht geklatscht hat. Was alles Teil ist jener Therapie, in die Dominique Müller zu Beginn eingeführt hat. Er ist im Auftrag des Schauspielerverbands unterwegs, denn weil Giacobbo/Müller neun Jahre lang Fernsehen gemacht haben, bedürfen sie für die Bühne einer erneuerten Betriebsbewilligung.

Mehr noch: Sie müssen achtsam an diese neue Welt herangeführt werden, müssen jene Fernsehmarotten hinter sich lassen, von denen ihr musikalischer Begleiter, der Bassist Dani Ziegler, für einmal gar nicht griesgrämig und ungewohnt gesprächig in stillen Momenten lustvoll erzählt. Endlich kann auch er einmal sein Mütchen kühlen. So entfaltet sich nach einer Aufwärmphase auf einer zuerst leeren, dann aber mit zwei Fernsehsesseln und einer Kaffeemaschine heimelig ausstaffierten Bühne eine Crash­therapie in Etappen.

Unter die Räder des Spottes

Liebe und Hass liegen immer ganz nah beieinander, und wer sich in einem Moment überlegen fühlt, kommt im andern unter die Räder des Spottes. Als ein Phantom streicht auch noch der bissige Dalmatiner von Viktor Giacobbos neuer Freundin die Bühne. Munter wechseln die Fronten. Mal treten die «Problemschauspieler» (Dominique Müller) gegeneinander an, mal nehmen sie ihren Therapeuten in die Mangel. Schreiduelle und beleidigte Abgänge inklusive. Oder auch eine Pause, in der Giacobbo und Müller aus Protest auf der Bühne bleiben und jenen Teil des Publikums kommentieren, der mit ihnen sitzen bleibt.

Ja, es fällt nicht leicht, von einer neunjährigen Dauerauf­gabe samt öffentlichem Prestige Abschied zu nehmen. So etwas trifft ein männliches Ego an seiner empfindlichsten Stelle. Schutz bietet die Realitätsverweigerung. Gern schlüpfen die zwei in ihre alten Figuren, reden als Fredi Hinz und Hanspeter Buri miteinander – oder machen den Hitler. Oder sie behaupten steif und fest, dass sie sich für die Aktualität kein bisschen mehr inter­essieren, sondern nur noch für die englische Tudorzeit (Giacobbo) und die Vorsokratiker (Mike Müller). Was sie sogleich selbst widerlegen in einem munteren Pingpong über die Ereignisse der vergangenen Tage.

Hinweis

Giacobbo/Müller in Therapie ist bis 22. April ausverkauft – und kommt im Dezember wieder.