Gewickelt und gegessen

Im grünen Bereich

Drucken
Teilen

Sie wickelt sich um die Hortensien. Sie erstickt, lasse ich sie nur einige Wochen gewähren, den Rhabarber. Sie spriesst trotz Giftattacke und Ausreisswahn unverfroren im Gemüsebeet. Selbst die Sonnenblumen sind ihr nichts anderes als billige Rankhilfe. Die Zaunwinde, sie ist in meinen Garten gekommen, um zu bleiben. Mindestens noch vier Jahre lang. Denn dank den Zeilen eines kundigen Lesers weiss ich nun, dass Winden nach sieben Jahren weiterziehen. Zumindest in der Theorie. Das Zaunwinden-Giftspray, welches mir der Vorbesitzer unseres Hauses vererbt hat, lässt auf eine längere Verweildauer der Pflanze in diesem Garten schliessen.

Was also tun? Man kann diese Pflanze kaum so schnell ausreissen, wie sie nachwächst. Zumal sie unglaublich tief wurzelt. Sie essen, rät Leser Scheiwiller. Und nimmt Bezug auf Kräuterpfarrer Künzle. Dieser pries die Zaunwinde als äusserst heil- und genussvolle Pflanze. Junge Windenblätter würden einen reinigenden Salat ergeben. Und der Tee der hübschen weissen Blume der Zaunwinde helfe bei Erkältungskrankheiten. Seither sehe ich die nimmermüde Ranke mit etwas anderen Augen. Wenn sie mein Gemüse erstickt, reisse ich sie immer noch aus, aber ab und an kaue ich ihre Blätter, und hoffe auf etwas Reinigung.

Katja Fischer De Santi