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Getanzte Liebesleidenschaft

Der Kanadier Matjash Mrozewski verwandelt in der St. Galler Lokremise den berühmt-berüchtigten Briefroman «Gefährliche Liebschaften» in Bewegung.
Rolf App
Die «Gefährlichen Liebschaften» kennt er schon lange: Matjash Mrozewski, Choreograph. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die «Gefährlichen Liebschaften» kennt er schon lange: Matjash Mrozewski, Choreograph. (Bild: Hanspeter Schiess)

Als Buch sind es 419 Seiten. Mit dem 175. Brief kommen die «Gefährlichen Liebschaften», dieser Briefroman aus der Feder des Artillerieoffiziers Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, an ihr Ende. 419 Seiten: Matjash Mrozewski hat sie mehrfach gelesen, hat sich ins Labyrinth der Leidenschaften begeben, ist Liebe, Hass und Eifersucht begegnet. Unvorbereitet ist er noch in einer anderen Hinsicht nicht: Als Teenager hat er eine von insgesamt neun Verfilmungen des Stoffes gesehen, den es auch als Theaterstück gibt, als Musical und als Oper. Und jetzt, dank ihm und dank der St. Galler Tanzchefin Beate Vollack, als Tanzstück.

Der vierzigjährige Matjash Mrozewski ist Kanadier, schon in der Kindheit hat er die Bewegung gesucht und geliebt, vor allem die Bewegung zu Musik. «Das hat meine Mutter auf die Idee gebracht, der Tanz könnte etwas für mich sein.» Er hat an der kanadischen Ballettschule studiert und sich vom Tänzer zum Choreographen weiterentwickelt. Die letzten Wochen hat er in der Lokremise beim St. Galler Hauptbahnhof geprobt. An diesem Montagabend, eine halbe Stunde nach unserem Gespräch, wird die Hauptprobe stattfinden.

Frankreich ist interessiert und schockiert

Als «Gefährliche Liebschaften» 1782 erscheint, reagiert das vorrevolutionäre Frankreich zugleich interessiert und schockiert. Auf dem schönen Einband des Exemplars von Königin Marie-Antoinette fehlen sowohl Verfasser wie Titel. Alle Welt fragt sich: Wer ist mit den fiktiven Briefschreibern gemeint, die da ihre Affären ausbreiten? Zum Beispiel mit der leichtlebigen Marquise de Merteuil, die sich am Comte de Gercourt rächen will, der sie als seine Geliebte sitzen lässt, weil er die blutjunge Cécile de Volanges heiraten will? Wer ist in der Realität dieser Vicomte de Valmont aus dem Buch, der, als charmanter Verführer in den besseren Kreisen sehr bekannt, Cécile entjungfern und Gercourt so blossstellen soll? Am Ende geht alles schief; Valmont stirbt im Duell, die Marquise ist blamiert, Gercout bleibt ungeschoren und Cécile ist schwanger – aber nicht von ihrem Ehemann.

Gegen die Regeln laufen die Gefühle Sturm

Wer etwa die Verfilmung durch Miloš Forman aus dem Jahr 1989 mit Colin Firth und Annette Bening auf sich wirken lässt, merkt rasch, worin die zeitlose Anziehungskraft liegt – im Brodeln der Leidenschaften unter dem Firnis einer von Regeln eingeschnürten Gesellschaft. Gegen sie laufen die Gefühle Sturm.

Die Figuren des Romans, stellt Dominique Aury im Nachwort zu den «Gefährlichen Liebschaften» fest, «verkörpern die Tugend, die Schwachheit, die Verblendung, die Leidenschaften, von denen Pascal sagt, dass sie ein Feuerstrom sind, libido sapiendi et dominandi». Zu deutsch: Die Leidenschaft zu erleben und zu herrschen.

«Ich kann nicht alle Fäden aufgreifen»

Für ein Tanzstück ist das keine allzu schlechte Ausgangslage. Denn Tanz ist Leidenschaft, ist Gefühl. Fast immer geht es dabei um Mann und Frau, um ihre Be- und Anziehung. Allerdings: Eine so komplexe Handlung abbilden zu wollen, das geht nicht. «Ich kann natürlich nicht alle Handlungsfäden aufgreifen», sagt Matjash Mrozewski. «Es kommt mehr darauf an, einen Bogen zu spannen.» Mrozewski hat viel Zeit und Energie in seine Umarbeitung in sein Tanzstück gesteckt. Denn Tanz, sagt er, ist einerseits sehr physisch. Das heisst, er hat mit den Liebesdramen der literarischen Vorlage das Körperliche gemeinsam, die Bewegung. Andererseits ist Tanz zeichenhafter, abstrakter. «Tanz kann Themen und Beziehungen erkunden», sagt Mrozewski.

Matjash Mrozewski hat sein Stück Schritt für Schritt erarbeitet. «Ich hatte zwar einen Plan», sagt er, «und ich habe die Tanzkompanie im Mai auch schon kennen gelernt. Trotzdem kannte ich die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer noch nicht so gut, deshalb habe ich mich von ihnen zu Veränderungen inspirieren lassen.» Hinzu kam die Zusammenarbeit mit Owen Belton, der die Musik erarbeitet hat.

Premiere: Freitag, 20 Uhr, Lokremise St. Gallen

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