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GESPRÄCH: Psychoanalytiker Peter Schneider: "Ich war früher sicher zwangsneurotisch"

Der Psychoanalytiker Peter Schneider war in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen auf ein Podium geladen. Das war keine einfache Sache. Noch viel schwieriger war es, den so beliebten wie begehrten Satiriker und Kolumnisten zu interviewen.
Katja Fischer De Santi
Zigarrenraucher mit brillantem Geist und Humor: Peter Schneider. (Bild: SRF)

Zigarrenraucher mit brillantem Geist und Humor: Peter Schneider. (Bild: SRF)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Ellen Ringier versteht gar nichts mehr. Die Verlegergattin sitzt zwischen drei Fachmännern für die menschliche Seele auf der Bühne und schlägt sich die Hände vors Gesicht. «Können Sie es denn nicht auch so sagen, dass es ein normal gebildeter Mensch versteht?», fragt, nein ruft sie in die Männerrunde. Peter Schneider lächelt sanft – er sieht aus, als ob er jetzt gerne etwas Bitterböses sagen würde, derweil Klinikdirektor Gerhard Dammann tief Luft holt für einen weiteren Exkurs in die Untiefen der psychiatrischen Diagnostik.

«Blackbox Psyche» ist das Thema des Podiums, zu dem die Klinik Münsterlingen hochkarätige Podiumsgäste geladen hat: den Psychoanalytiker, Kolumnisten und Satiriker Peter Schneider und Ellen Ringier, Herausgeberin des Elternmagazins «Fritz + Fränzi». Die beiden sollen mit Klinikdirektor und Psychiater Gerhard Dammann über eben diese «Black-Box Psyche» diskutieren. Es wurden viele Monologe gehalten, oder die lebensnahen Beobachtungen von Frau Ringier fachlich präzisiert. Es ging um Diagnose und Anamnese, um Ohnmacht und Macht, um die Definition von Normalität und deren Abweichungen oder auch einfach darum, «ob wir nicht alle ab und zu spinnen», um es mit den Worten von Ellen Ringier zu sagen. Einig war man sich immerhin darin, dass die Psychiatrie keine exakte Wissenschaft sei und alles immer eine Frage der Geisteshaltung und Diagnostik. Ein Gewinn war der Abend trotzdem, auch weil er die Gelegenheit bot, den Mann leibhaftig zu erleben, der auf SRF3 täglich in seiner «anderen Presseschau» so scharfsinnig wie scharfzüngig die Schweizer Presselandschaft durchpflügt.

Nach der Veranstaltung sitzt eben dieser Peter Schneider vergnügt draussen und zündet sich eine Zigarre an. «Sie können gerne mit mir sprechen, aber ich will dabei rauchen», hat er erklärt. Die Zeit ist knapp und Schneider ein begehrter Mann. Zuhörer und Fans wollen seine Visitenkarte, einen Rat «ich glaube meine Frau hat eine Psychose» oder Schneider auch nur die Hand schütteln.

Medienkritiker und Frage-Onkel mit eigener Praxis

Schneider, 61 Jahre alt, ist der wohl bekannteste Psychoanalytiker der Schweiz seit C.G. Jung. Und einer der bestbezahltesten Kolumnisten der Schweiz, heisst es. Für den «Tages-Anzeiger» macht er seit Jahren den Frage-Onkel für alle philosophischen Lebenslagen. In der «SonntagsZeitung» hat er eine satirische Rubrik, im Radio SRF3 hört man ihn neben der «Presseschau» auch regelmässig sonntags als Erzähler der Maloney-Krimis. Zudem ist er Privatdozent an der Uni Zürich und hat eine Gast­professur in Berlin. Eine eigene Praxis in Zürich betreibt er auch noch und ist Verfasser von so unterschiedlichen Büchern wie einer Freud-Biographie oder «Cool down. ­Wider den Erziehungswahn».

«Vergessen Sie die vielen Vorträge und Lesungen nicht», wirft er grinsend ein. Wie er das alles macht? «Zwischendurch», wie er eigentlich alles irgendwie zwischendurch mache. Zeitungen lese er sowieso jeden Morgen, etwa fünf, das sei schon die halbe Arbeit. «Acht Stunden Schlaf und etwas Privatleben liegen da schon noch drin.» Kolumnen schreibe er nicht aus Profilierungssucht, sondern um Geld zu verdienen. Und das tut er mit grosser Zuverlässigkeit. Selbst in den Ferien, 365 Tage im Jahr. Auch wenn etwa seine Medienkritik «in jeder Hinsicht wirkungslos verhalle». Seine Freunde am Reflektieren, Zerlegen und Ergründen von Gedankengängen ist ungebrochen. Sein Geist auch abends um zehn hellwach und zu keinem billigen Kompromiss bereit. Einfache Antworten auf komplexe Fragen sind seine Sache nicht. Lieber lässt er die Fragestellerin ins Leere laufen oder antwortet mit viel Schalk.

Traumberuf Psychoanalytiker

Auch sich selber nimmt Peter Schneider nicht allzu ernst. Er ist mit seinem Leben ziemlich zufrieden, stimmungsmässig sei er aber eher auf der Depro-Seite. Und wie alle Psychiater habe er einen ziemlichen Knall. «Ich war zumindest früher sicher zwangsneurotisch.» Seine Faszination für Psychologie sei auch aus Eigennutz entstanden. Bereits mit 15 Jahren hat er als Traumberuf Psychoanalytiker angegeben. Sein Interesse für komische Dinge halte bis heute an.

Die Zigarre ist fertig geraucht, ein letzter hartnäckiger Fan hat sich samt Bier zum Interview dazugesetzt. Peter Schneider nimmt seinen Hut und verschwindet. «Acht Stunden Schlaf müssen sein.»

Katja Fischer De Santi

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