Gespenst mit Haut

Der Sänger Benjamin Petersen von den Färöer Inseln ist ein nordischer Melancholiker. Doch zu seiner Musik gehören als Kontrapunkt auch eruptive Brüche. Morgen stellt er im «Oya» seine neue CD «Ghost with Skin» vor.

Marc Peschke
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Benjamin Petersen in sich gekehrt. (Bild: pd)

Benjamin Petersen in sich gekehrt. (Bild: pd)

Im Nordatlantik liegen sie, zwischen den Britischen Inseln, Norwegen und Island. Einsam ist es dort, auf den Färöer-Inseln, auf dieser Inselgruppe, eine alte Sprache hat sich erhalten, man fühlt sich unabhängig und autonom – nicht so sehr als Teil Dänemarks. 50 000 Menschen leben auf den Inseln, die meisten sind Fischer, aber kurz danach – so hat es den Anschein – kommen die Popmusiker.

Folk und Country als Basis

Denn seit einigen Jahren schwappt von den Inseln mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in Europa immer wieder herrliche Musik in unsere Ohren. Geheimnisvolle, filigrane, erhabene Musik von Künstlern wie Teitur, Orka oder Budam – oder einem jungen Mann, der sich ganz einfach Benjamin nennt.

Sein neues, bei popup-records erschienenes Album «Ghost With Skin», Stücke wie «Warmth of the sun», «Post War» oder «Dogwood Angel», zeigen den 24jährigen Benjamin Petersen als nordischen Melancholiker. Doch das Ruhige, Fliessende ist nur ein Teil des Ganzen. Seine Musik lebt von eruptiven Brüchen, von grossen Gefühlen. Folk und Country ist die Basis dieser Musik, das Banjo etwa ist ein wichtiges Instrument, doch betulich ist diese Musik nicht.

Gewöhnungsbedürftig

Nachgerade gefährlich, böse und giftig tönt der Gesang an manchen Stellen, mit Marilyn Manson oder Brian Molko wurde Benjamin bereits verglichen, doch auch wenn das Timbre ganz unheimlich tut: Eigentlich ist Benjamin ein netter Folk-Sänger. Ab und zu allerdings darf die Gitarre auf diesem Album jaulen, dann tönen ganz sakral die Orgeln, unterstützt von Mikael Blak an Bass und Keyboard und Jan Rúni Poulsen am Schlagzeug.

In seiner Heimat ist Benjamin Petersen ein Star, als Sänger und auch als Produzent. Nun gut, das ist nicht so schwer, könnte man unken, auf diesen Inseln, die zusammen so viele Einwohner haben wie eine grössere Kleinstadt. Dennoch sollte man dieses Konzert besuchen, auch wenn der ein wenig nasale Gesang durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Denn es sind die Songs, die hier überzeugen. Mal unfertig wirken sie, dann ganz erhaben, mal ganz minimalistisch, dann wieder orchestral.

Erfahrungen im Dschungel

Was man aber wirklich mögen muss, ist diese Stimme. Kapriziös werden sie viele finden, auf andere wirkt sie authentisch. Jeder muss das selbst herausfinden. Gerade live zeigt sich der Sänger von seiner spektakuläreren Seite. Spektakulär ist übrigens auch seine Biografie. Als junger Mann hat er hat schon einige Monate im subtropischen Dschungel von Paraguay verbracht, er lebte gemeinsam mit seinem Vater mit den Aché-Indianern. Aus dieser Zeit stammen auch seine Tätowierungen – und wohl auch der tiefe, spirituelle Blick auf die Welt.

Morgen Fr, Oya, 22 Uhr