Gesellschaftskritik mit Eiswürfeln

Götz Friedewalds Werke waren mehrfach in der Macelleria d'Arte ausgestellt. Nun sind bis Ende Juni in der Galerie am roten Platz wiederum aktuelle Werke des Münchners zu sehen. Er thematisiert in seinen Bildern den Mangel an Empathie und Moral.

Kristin Schmidt
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Eiswürfel als Metapher: Götz Friedewald schaut tief ins Glas der Einsamkeiten. (Bild: Michel Canonica)

Eiswürfel als Metapher: Götz Friedewald schaut tief ins Glas der Einsamkeiten. (Bild: Michel Canonica)

Aktuelle Fotokünstlerinnen und Künstler beschäftigen sich besonders intensiv mit Oberflächen. So die These der Ausstellung «Surfaces» derzeit im Fotomuseum Winterthur. Sind Oberflächen die neuen Inhalte? Die Frage stellt sich nicht nur in der Fotografie, sondern drängt sich auch angesichts zeitgenössischer Malerei auf. Zum Beispiel bei Götz Friedewald.

Spiel der Reflexionen

Der Münchner Künstler stellt seine jüngsten Werke in der Macelleria d'Arte aus. Bereits die Technik der Bilder zeugt von der besonderen Aufmerksamkeit für das Materielle: Friedewald verwendet grobe Jute. Er grundiert sie schwarz. Darüber baut er seine Sujets langsam aus lasierenden Schichten auf. So ist der schwarze Grund weiterhin sichtbar, zugleich bleiben die Gewebestrukturen, die kleinen Leerräume zwischen den Fadenkreuzungen offen: Sogar der Raum hinter dem Bild ist damit Teil des Gesamten.

«Cubes» heisst die im Erdgeschoss der Galerie gezeigte Serie. Zu sehen sind Eiswürfel in und neben Trinkgläsern. Manchmal steht eine Espressotasse daneben, mit oder ohne Löffel auf der Untertasse. Manchmal sind die Gläser halb gefüllt. Friedewald malt das Spiel von Reflexionen und Durchsichten. Er feiert die glatten, spiegelnden Oberflächen, die Lichtpunkte darauf. Wichtig sind dabei auch die Kontraste. Rot und Blau unterstützten die gemalte Transparenz der Gläser. Und natürlich der schwarze Grund. Die Gegenstände scheinen darüber zu schweben oder über dunklen Tiefen zu schwimmen. Das alles ist mehr Schein als Sein, aber genau um letzteres geht es Götz Friedewald.

Likör gegen die Sorgen

Der Künstler versteht seine Bilder als Metaphern für die Kälte und Glätte in grossen Teilen der Gesellschaft, die Verarmung von Ethik und Moral. Deutlicher wird dies im Kontext von «Cubes» mit der anderen ausgestellten Serie: «Lie to Me». Hochprozentiges dominiert die Gemälde: Flaschen mit Kirschwasser, Kornbrand, Campari. Dahinter strahlt blauer Himmel, oder der Binärcode zieht sich über die Fläche. Schriftzüge im Bild rufen dazu auf, zu veralbern, zu beschützen oder zu belügen. Es ist bekannt: Alkohol lullt ein. Oder wie es Wilhelm Busch in seiner «Frommen Helene» schon trefflich formulierte: «Es ist ein Brauch von alters her: Wer Sorgen hat, hat auch Likör!» Die Flaschen locken, und mit Hilfe ihres Inhaltes wird das im argen Liegende verdrängt.

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