GESCHICKLICHKEIT: Chügelibahn für Erwachsene

Mit «Il Gioco» hat sich der Heidler Ludovico Pastore seinen Kindheitstraum zusammengeschraubt. Am Wochenende kann man sein Spiel nun in der Militärkantine ausprobieren.

Anina Frischknecht
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Für die Kugelbahn von Pastore braucht es viel Geschick. (Bild: Urs Bucher)

Für die Kugelbahn von Pastore braucht es viel Geschick. (Bild: Urs Bucher)

Ludovico Pastore steht an seinem «Il Gioco» und spickt mit geschickter Hand eine Glasmurmel über eines von unzähligen Hindernissen. Kran, Wurfarm, Förderband, Löcherlabyrinth: Eine wahre Murmel-Odyssee hat Pastore in seiner Werkstatt zusammengebaut. Einfach zu spielen ist «Il Gioco» nicht. Ein eingebauter mechanischer Timer stoppt die Zeit. Der Schnellste gewinnt.

2200 Schrauben, drei volle Bananenkisten mit unbrauch­baren Prototypen, zwei Jahre Arbeit. Für seinen Kindheitstraum hat der 35-Jährige jede freie Minute investiert. Jetzt ist das Geschicklichkeitsspiel aus Holz fertig. «Ich heisse Ludo, wie das Spiel auf Italienisch.» Dass er irgendwann ein eigenes Spiel zusammenbaue, musste einfach sein, lacht er. Vor lauter Tüfteln hat der zweifache Familienvater nicht selten die Zeit vergessen und ist erst spät in der Nacht aus seiner Scheune zurückgekehrt. «Meine Frau ist schon froh, dass das Projekt jetzt erst einmal abgeschlossen ist.»

Der gebürtige Römer lebt mit seiner Familie seit fünf Jahren in Heiden. Die Liebe und die Suche nach mehr freier Zeit hat ihn in die Ostschweiz geführt. Als Chef eines kleinen Schreinereibetriebs bestimmte in Italien hauptsächlich die Arbeit sein Leben. Und das sollte sich ändern.

Lernen wie Leonardo da Vinci

«Il Gioco» funktioniert ohne Strom. Egal ob Uhr, Lift oder Förderband – die ganze Kugelbahn wird von vier ausgeklügelten Hebeln in Gang gesetzt. Ein kom­plexes Konstrukt. Schon als Kind hat Pastore alles auseinandergeschraubt, geschaut, wie es funktioniert, und dann versucht, al­les wieder zusammenzusetzen. «Wie Leonardo da Vinci. So habe ich gelernt.» Etwas technische Unterstützung für «Il Gioco» lieferte Stefano Tadini, ein befreundeter Ingenieur, der die vielen Zahnräder digital zeichnete und tatkräftig mithämmerte. Und bunt angemalt hat «Il Gioco» Elena Ghio, eine Kunstlehrerin aus St. Gallen.

Bereits tüftelt Pastore am nächsten Projekt. Mit seiner Frau Petra musiziert und tanzt er als Duo Sol do auf Hochzeiten und privaten Feiern. Die beiden, die sich an einem Tanzfestival in Turin kennen gelernt haben, spielen auf dem Organetto, einem italienischen Handörgeli, süditalienische und französischen Tanzmusik. Im September planen sie ein eigenes kleines Tanzfestival in Heiden.

Anina Frischknecht

anina.frischknecht@tagblatt.ch

Fr, 5.5., 17 Uhr, Vernissage, spielbar bis So, 7.5., Militär­kantine, St. Gallen. www.soldotanz.ch