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GESCHICHTE: Patres im Auslandsemester

Ein prächtig illustriertes Buch versammelt italienische Reisetagebücher von St. Galler Mönchen. Sie berichten von Beichtstress und dem besten Wein ihres Lebens.
Beda Hanimann

Beda Hanimann

beda.hanimann

@tagblatt.ch

Garstiges Osterwetter hat auch sein Gutes. Es ist nur eine Frage der Perspektive. Regen und Schneefall habe das Volk fern gehalten, «was uns einen schönen Festtag und Zeit zur Erholung verschaffte». So notieren es Lukas Grass und Jodok Müller am Ostersonntag des Jahres 1700 in ihr Reisetagebuch. Die beiden Patres aus dem Kloster St. Gallen befinden sich da seit einem knappen halben Jahr in Rom.

Es ist keine Vergnügungsreise, sondern eine Art Ausland­semester. Lukas Grass und Jodok Müller haben Aufgaben und Aufträge zu erfüllen, wie auch die Fortsetzung der Osternotiz belegt: «In den folgenden Tagen wurde das Wetter sehr heiter, und wir hatten einen Ansturm von Menschen sonder Zahl, denen wir die Beichte abnehmen mussten.»

Das Kloster St. Gallen schickte damals regelmässig Mönche aus seinen Reihen nach Rom, damit sie dort ihren Doktortitel in zivilem und kanonischem Recht erlangten, Kontakte zu anderen Geistlichen knüpften, Sprachen lernten – und generell ihren Horizont erweiterten. Ihre Aktivitäten hatten sie zuhanden des Abtes zu protokollieren.

Staunen über Spargelfelder mit Bodenheizung

Vier auf solchen Reisen zwischen 1696 und 1749 entstandene Tagebücher liegen im Stiftsarchiv St. Gallen. Dessen Leiter Peter Erhart hat sie zusammen mit dem Musikwissenschafter Luigi Collarile aufgearbeitet und in einer prächtigen Edition mit Faksimile-Beispielen zugänglich gemacht. Der erste Band behandelte die Reisen nach Rom, der zweite beschäftigt sich nun mit dem Aufenthalt in der Ewigen Stadt.

Die Notizen geben einen Einblick in den Alltag der Geistlichen und berichten vom oft beschwerlichen Unterwegssein. Sie rapportieren aber auch alltägliche Beobachtungen. 1749 etwa beschreiben Antonin Rüttimann und Iso Walser von einer Spargelplantage mit Bodenheizung und loben den Wein aus Montalcino. Sie hätten noch nie einen Wein getrunken, «der besser war und dem Kopf weniger geschadet hat als dieser».

Spannend sind auch die Kommentare der Herausgeber. Sie weisen etwa darauf hin, wie die Mönche aus St. Gallen auffallend privilegiert behandelt wurden. Als Vertreter eines der bedeutendsten Klöster der Zeit in Europa erlangten sie ihre Doktortitel in Windeseile und erhielten Einlass an Orten, die anderen verschlossen blieben. Interessant auch die Vermutung, der nachmalige St. Galler Abt Coelestin Gugger sei durch die zahlreichen sich im Bau befindlichen Kirchen zum Neubau der St. Galler Kathedrale inspiriert worden.

Doch nicht jedem Mönch wurde die Romreise zur bereichernden Lebensschule. Pater Dominik Ritter bat 1696, seinen Aufenthalt nach nur drei Wochen abbrechen zu dürfen, nachdem er «weder die Luft noch das Essen vertragen hatte».

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