Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Las Vegas-Ikone Tom Jones: Geschätzt, aber unterschätzt

Der 79-jährige Tom Jones präsentiert sich am Jazzfestival Montreux in blendender From. Der Mann hat Klasse - mehr denn je.
Stefan Künzli

Hit-Sänger, Las Vegas-Ikone, Kitschsänger, Blues-Interpret und ekstatischer Soul- und Gospel-Shouter. Der Mann ist einfach alles. Er kann alles. Stimmlich macht Tom Jones niemand etwas vor, kann ihm keiner das Wasser reichen und singt sie alle an die Wand. Der ehemalige Staubsauger-Vertreter aus Wales wird geschätzt, aber immer auch unterschätzt.

Der braungebrannte Tom Jones bei seinem Konzert am Jazzfestival Montreux.

Der braungebrannte Tom Jones bei seinem Konzert am Jazzfestival Montreux.

Tom Jones ist ein ausgesprochener Interpret. Wie einst Frank Sinatra oder Bing Crosby. Oder bei den Frauen Billie Holiday oder Ella Fitzgerald. Vielleicht ist er, der Mitte der 60er-Jahre den Durchbruch mit unzähligen Hits schaffte, sogar der Beste seiner Zeit. Trotzdem wird er nie zu den ganz Grossen der Musikgeschichte gezählt.

Das hat mit den Mechanismen im Musikmarkt zu tun. Bis in die 60er-Jahre war das Musikbusiness ein ausgesprochenes Interpretensystem. Das heisst: Komponisten stellten Interpreten, den Labels, Verlagen und ihren Stars, ihre Songs zur Verfügung. In den 60er-Jahren kam es zum Wechsel. Bands wie die Beatles und die Rolling Stones oder Poeten wie Bob Dylan nahmen das Heft in die eigenen Hände und schrieben Songs, die sie auch gleich selbst interpretierten und sangen. Ihnen, den Visionären des Pop und Rock, gehörten nun Ruhm und Ehre. Umgekehrt spielten die klassischen Interpreten ab sofort nur noch die zweite Geige. So gesehen ist Tom Jones ist in der falschen Zeit geboren.

Nein, Tom Jones ist kein Pop-Visionär. Dafür kann er selbst zweitklassige Songs in Pop-Perlen verwandeln - egal in welchem Stil oder Genre. Das bewies der inzwischen 79-jährige auch an seinem Konzert am Jazzfestival in Montreux. Das Konzert beginnt reduziert mit dem stampfenden John-Lee-Hooker-Original „Burning Hell“, gefolgt von einem Gospel, in dem er die Sünder im Auditorium Stravinski mit alttestamentarischer Wucht erzittern lässt. Der Anfang gibt den Ton für das ganze Konzert vor.

Er verwandelt Songs in Pop-Perlen

Wie nicht anders zu erwarten, singt Tom Jones sich durch seine über 50-jährige Karriere mit seinen grössten Hits. Doch nicht im Stil einer Jukebox. Jones begnügt sich nicht damit, die Songs in den bekannten Hit-Versionen wider zu käuen. „Sex Bomb“ zum Beispiel startet ganz langsam, Jones singt bluesig, dehnt die Melodie bis zum äussersten, bis sich die Bombe in einem swingenden Rhythmus entlädt. Oder „Delilah“. Der harmlose Hit von 1967 wird zunächst mit kantigen Blue Notes auf der Gitarre konfrontiert, dann gibt das Akkordeon dem Song ein Südstaaaten-Cajun-Flair und nimmt ihm den Schlagercharakter. Auch „Green Green Grass Of Home wird radikal vom pampigen Easy-Listening-Sound entschlackt. Die Steel-Gitarre gibt dem Song einen Roots-Touch. Ähnlich wird mit dem lüpfigen, bläserlastigen „It’s Not Unusual“ verfahren. Mit Congas, Akkordeon und Kontrabass arrangiert, fügt es sich in das Bandkonzept, das die Schlagerseligkeit mit Mitteln der erdigen Roots-Musik vertreibt.

Tom Jones erfindet die Popwelt auch an seinem zweiten Auftritt in Montreux nicht neu. Aber er liefert ein in sich stimmiges, wunderbares Konzert ab und präsentiert sich in blendender Form. Braungebrannt, elegant und strahlend. Natürlich versetzt er die weiblichen Fans nicht mehr wie in den 60er-Jahren in hysterische Verzückung. Aber er ist in Würde gealtert. Auf der Bühne bewegt sich der stämmige Waliser kaum noch. Umso ausdrucksstärker wirkt seine Stimme. Er singt nicht mehr ganz so dramatisch wie einst. Sein manchmal etwas gar aufdringliches Vibrato hat er zurückgenommen. Doch der Mann hat Klasse – mehr denn je.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.