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Geprellte Glückssucher im schizophrenen Kuba

Der Kubaner Leonardo Padura, bekannt durch seine Kriminalromane um den eigenbrötlerischen Privatermittler Mario Conde, einem tropisch-sozialistischen «Enkel» Philip Marlowes, lässt in «Neun Nächte mit Violeta» ein Vierteljahrhundert krampfhaft zuckendes Kuba vorbeiziehen.
Geri Krebs
Leonardo Padura: Neun Nächte mit Violeta, Unionsverlag 2016, 254 S., Fr. 29.90

Leonardo Padura: Neun Nächte mit Violeta, Unionsverlag 2016, 254 S., Fr. 29.90

Der Kubaner Leonardo Padura, bekannt durch seine Kriminalromane um den eigenbrötlerischen Privatermittler Mario Conde, einem tropisch-sozialistischen «Enkel» Philip Marlowes, lässt in «Neun Nächte mit Violeta» ein Vierteljahrhundert krampfhaft zuckendes Kuba vorbeiziehen.

Ein Kriegsberichterstatter aus Angola auf dem Heimweg nach Havanna und ein Exilierter aus Miami laufen sich an einem kalten Februartag des Jahres 1990 im Zentrum von Madrid über den Weg. In Kuba waren die zwei Männer einst beste Freunde – bis der eine die Flucht nach Norden antrat. Zehn Jahre sind vergangen, die beiden haben nie mehr etwas voneinander gehört. Kuba ist nicht erst seit der Entspannung der Beziehungen zu den USA in einem beständigen Wechselbad zwischen Öffnung und Versteinerung, das machen die 13 Erzählungen, entstanden zwischen 1985 und 2009, deutlich. In eleganter Sprache und mit stupender Fähigkeit, Figuren mit Leben zu erfüllen, zeigt Leonardo Padura ein Universum von geprellten Glückssuchern, Enttäuschten und Ernüchterten. Der Titel des Buches ist gleichzeitig einer der 13 Erzählungen: Ein Ich-Erzähler blickt darin auf das Jahr 1968 zurück, als ihn die titelgebende Sängerin Violeta im zarten Jünglingsalter in die Liebe einführte – in einer Zeit, als die politische Führung endgültig einen Sozialismus sowjetischen Zuschnitts befahl. Zeigt diese Erzählung etwas gar sentimental-nostalgische Züge, so weist sie doch präzise darauf hin, was allen 13 Geschichten gemeinsam ist: Ihre Protagonisten glaubten einmal den Versprechungen von einer glorreichen Zukunft – und sind längst in einer schäbigen Gegenwart gelandet.

Seit 2003 mit dem Kriminalroman «Ein perfektes Leben» erstmals ein Buch Leonardo Paduras auf Deutsch erschien, hat der 1955 in Havanna geborene Schriftsteller im hiesigen Sprachraum fast im Jahresrhythmus neue Bücher publiziert. «Neun Nächte mit Violeta» ist bereits sein elftes auf Deutsch veröffentlichtes Buch. Padura ist auch international derzeit wohl der meistgelesene kubanische Literat. Sein Erfolg im Ausland steht im Gegensatz zur Stellung im Literaturbetrieb seines Landes: Zwar wurde er 2012 in Kuba mit dem nationalen Preis für Literatur geehrt, der höchsten jährlich verliehenen Auszeichnung für einen Schriftsteller. Dennoch erscheinen in Kuba seine Bücher nur in Kleinstauflagen und mit grosser Verspätung. Von den staatlichen Medien Kubas wird Padura weitgehend ignoriert. Er lebt aber gut davon, dass seine Bücher erfolgreich jeweils zuerst in Spanien erscheinen. Die Situation des in einem Aussenquartier Havannas lebenden Autors ist symptomatisch für den Zustand eines Landes in schizophrener Normalität.

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