Generation YPS wird erwachsen

Das Kultmagazin «YPS mit Gimmick» feiert seinen 40. Geburtstag. Aus dem Comicheft für Kinder ist heute ein Magazin für Erwachsene geworden, das erfolgreich den Retro-Trend bedient.

Florian Weiland
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Die Jubiläumsnummer zum 40. Geburtstag von «YPS». (Bilder: pd)

Die Jubiläumsnummer zum 40. Geburtstag von «YPS». (Bilder: pd)

Wer erinnert sich nicht an die Urzeitkrebse? Und an das Drama, wenn die winzigen Lebewesen von nichts ahnenden Eltern in den Abfluss gegossen wurden? Oder an den Solarzeppelin und die Maschine, die viereckige Eier produzierte? Oder an die unzähligen Utensilien, die man für die Karriere als angehender Agent benötigte? YPS ist Kult. Sicher, es gab auch die Comics. Aber man kaufte sich das Heft wegen der Zugaben, Gimmicks genannt.

Konkurrenz zu «Fix und Foxy»

Das erste Heft erschien am 13. Oktober 1975. Die aktuelle Ausgabe trägt die Nummer 1270. Das Hamburger Verlagshaus Gruner+Jahr, in dem auch das Nachrichtenmagazin «Stern» erscheint, trat 1975 in direkte Konkurrenz zu Kindermagazinen wie «Micky Maus» oder «Fix und Foxi». Um sich von diesen abzusetzen, wurde das Gimmick erfunden, eine wöchentliche Zugabe zum Basteln oder Spielen. Das Konzept ging auf: YPS wurde eines der auflagenstärksten Comicmagazine der 1970er- und frühen 80er-Jahre. Die Zeiten haben sich geändert. Heute findet man am Kiosk kein Kindermagazin mehr, das ohne Zugabe daherkommt.

Erfolgreiche Eigenproduktionen

Wirklich neu war diese Idee nicht. YPS orientiert sich an «Pif Gadget», ursprünglich eine Jugendzeitschrift der kommunistischen Partei Frankreichs. YPS selbst blieb stets unpolitisch, übernahm aber das Erfolgsrezept aus Frankreich. Nur dass aus dem beigelegten Gadget das für deutschsprachige Kinderzungen leichter auszusprechende Gimmick wurde. Auch einige Comics wurden aus «Pif» übernommen, darunter die Abenteuer des gleichnamigen Hundes.

Von Anfang an setzte Gruner+Jahr aber auch auf Eigenproduktionen. Das Känguru YPS und die jugendlichen Reporter «Yinni und Yan» finden sich in jedem Heft. Sehr beliebt waren auch Serien wie «Bens Bande» oder «Die Gespenster GmbH». Hinzu kamen weitere Lizenzen aus Frankreich. Funnys wie «Robin Ausdemwald» oder lange, in mehreren Fortsetzungen abgedruckte Folgen von Bestsellern wie «Asterix», «Lucky Luke» oder «Percy Pickwick». Anspruchsvolle Serien wie die Abenteuer des Trappers «Buddy Longway» aus der Feder des Westschweizer Zeichners Derib bleiben die Ausnahme.

Konkurrenz losgeworden?

Die Glanzzeiten von YPS sind lange vorüber, als das Magazin 1999 vom Egmont Ehapa Verlag, bei dem auch die «Micky Maus» erscheint, aufgekauft wird. Drastische Änderungen werden eingeführt. Doch obwohl die Erscheinungsweise geändert, die Seitenzahl reduziert und die kostenintensiven Eigenproduktionen nahezu eingestellt werden, ist das Ende nicht mehr aufzuhalten. Gerüchte halten sich bis heute, Egmont habe das Magazin als lästigen Konkurrenten der «Micky Maus» mit Absicht vor die Wand fahren lassen. Wenig überraschend wird YPS aufgrund schlechter Verkaufszahlen mit Ausgabe 1253 eingestellt.

Neustart im Jahr 2012

Doch Totgesagte leben länger. 2005/2006 scheitert zwar ein erster, halbherziger Comebackversuch, doch im April 2012 kommt die Wende. Das neue YPS geht an den Start. Zielpublikum sind nun die Leser von einst, sprich Erwachsene zwischen 30 und 45 Jahre. Man möchte Kindheitserinnerungen wecken und surft erfolgreich auf der Retro-Welle. Technikthemen oder der seinerzeit aktuellen Mode wird breiter Raum eingeräumt.

Comics gibt es auch noch, doch sind es vorwiegend Reprints. Nicht fehlen darf das Gimmick. Dem Comeback-Heft sind einmal mehr die Urzeitkrebse beigelegt. 120 000 Exemplare werden verkauft. Ein sensationeller Erfolg. Seitdem erscheint das neue YPS alle zwei Monate. Auch wenn sich die Auflage inzwischen halbiert hat, ist der Verlag zufrieden. Mit YPS wird wieder Geld verdient. Und das ganz ohne beigelegte Gelddruckmaschine, einem weiteren legendären Gimmick.

Die erste Nummer des «YPS» vom 13. Oktober 1975.

Die erste Nummer des «YPS» vom 13. Oktober 1975.