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Lesbar Leben: Loslassen ist Schwerstarbeit der Seele

Den liebsten Menschen würdig sterben lassen nach einer nahezu aussichtslosen Krebsdiagnose, das Haus der betagten Eltern verkaufen und entrümpeln: Zwei neue Bücher erzählen auf berührend persönliche Weise vom Abschiednehmen und den damit verbundenen Gewissenskonflikten.
Bettina Kugler

Gemeinsam auf den letzten Schritten des Wegs

Fünfzig Jahre lang haben Irene und Dietmar Mieth als Paar Leben und Glauben geteilt, bis eine überraschende Zäsur ihre Partnerschaft noch einmal ganz neu ausrichtet. Anfang Dezember 2016 erhält Irene nach starken Schmerzen die Diagnose Krebs in fortgeschrittenem Stadium – und sie trifft für sich die Entscheidung, auf eine Notoperation zu verzichten. Im Unispital führt sie in knapper, verdichteter Form ein Notizheft der letzten Schritte ihres Lebensweges. Nach ihrem Tod im Januar 2017 hat sich Dietmar Mieth an seine persönlichen Aufzeichnungen gemacht. Er erinnert sich an das Ringen um eine Entscheidung, an seine Schwierigkeiten als Theologe und Ehemann mit dem Entschluss seiner Frau, an die bewegenden Gespräche der letzten gemeinsamen Tage. Und an das Glück, sich bis zum Schluss im gedanklichen Austausch nahe zu bleiben.

Dietmar Mieth, Irene Mieth: Sterben und Lieben. Selbstbestimmung bis zuletzt. Herder, 160 S., Fr. 27.–

Sperrgut und Schätze eines Lebens

«Einen alten Baum verpflanzt man nicht» – diesen Satz musste Ursula Ott, Redaktorin des evangelischen Magazins «chrismon», oft hören. Zusammen mit ihrer Schwester hatte sie entschieden, die 87-jährige Mutter vom Verkauf des Familienhauses in Oberschwaben zu überzeugen und in die Nähe der Töchter zu ziehen: in ein Haus des «betreuten Wohnens». «Entrümpeln» hiess in diesem Fall: zu Lebzeiten der Mutter Abschied nehmen von Dingen mit Geschichte, von Gebrauchs- und unnützen Gegenständen, an denen Erinnerungen hängen – gute und weniger gute. Ihr Buch erzählt so offenherzig wie bewegend von der dafür notwendigen «Schwerstarbeit der Seele». Es blickt zugleich zurück auf Kindheit, Jugend und Erwachsenwerden ihrer Generation und fragt nach den Prägungen der alt gewordenen Eltern durch Krieg und Nachkriegszeit. Was es heisst, Dinge anzuhäufen, wegzugeben, notfalls zu entsorgen, hat sie auch im Gespräch mit Fachleuten ausgelotet: Anwältinnen, Psychologen, Kuratorinnen, Trödlern. So kommen praktische Hinweise nicht zu kurz; vor allem aber ermutigt Ursula Ott dazu, in Würde vom Besitz der Eltern Abschied zu nehmen – zugunsten des immateriellen Familienerbes.

Ursula Ott: Das Haus meiner Eltern hat viele Räume. btb, 192 S., Fr. 28.–

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