Gelb wie die Sonne

Manchmal sind es zwei, obwohl man erst nur einen sieht. Howe Gelb steht alleine auf der Bühne der Grabenhalle, doch sein Duett-Partner hängt ihm um den Hals: Seine halb-akustische Gibson-Gitarre wird zum Mitmusiker, der ihn nicht bloss begleitet, sondern selber immer wieder in den Vordergrund tritt.

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Bild: Hannes Thalmann

Bild: Hannes Thalmann

Manchmal sind es zwei, obwohl man erst nur einen sieht. Howe Gelb steht alleine auf der Bühne der Grabenhalle, doch sein Duett-Partner hängt ihm um den Hals: Seine halb-akustische Gibson-Gitarre wird zum Mitmusiker, der ihn nicht bloss begleitet, sondern selber immer wieder in den Vordergrund tritt.

Ist Gelb an der Reihe, schwingen die Saiten leiser, tritt die Gitarre nach vorne, geht die Stimme einen Schritt nach hinten. Gelb und seine Gitarre flüstern, sie knurren, sie heulen.

Mal streichelt er über die Saiten, mal spielt er sie perkussiv, mal lässt er sein Mikrophon darüber schrammen. Plötzlich stampft er auf die Pedale, lässt die Gitarre aufkreischen, verzerrt Töne zu lautem Krächzen, um im nächsten Moment in die zarte Melodie zurückzufinden. Selbst auf den zerbrechlichsten Augenblick kann er mit verstärkten Riffs eindreschen, ohne ihn zu zerschlagen.

Gelb überzeugt dabei vor allem mit Variantenreichtum. Er springt leichtfüssig zwischen Folk, Boogie und Country, lässt Blues und Swamp Rock in die Melodien einfliessen, um kurz darauf den Bar-Pianisten zu geben. Dabei schöpft er aus dem tiefen Fundus seines eigenen Repertoires, in das er nahtlos fremdes Material wie Kris Kristofferson oder Johnny Cash einschiebt.

Bei Howe Gelb verkommt nichts zur Pose, seine Gesten sind ehrlich, seine Geschichten lebhaft, sein oft sarkastischer Humor und seine Spontaneität jederzeit spürbar. «With you a moment is a gift, a gift where the world stands still», singt Gelb. Ein Kompliment, das man gleich an den Songwriter aus Tucson zurückgeben kann.

Für die erste Zugabe holt er Marta Collica und ihren Gitarristen, die den Abend eröffnet hatten, nochmals auf die Bühne, zum Schluss gibt es «The Wayfaring Stranger» und ein Medley aus «Ring Of Fire» und «Hey Jude», ehe er sich mit einem Ausschnitt aus Mancinis «Moon River» auf dem Piano verabschiedet. Sein Sonnenuntergang habe sich in Rauch aufgelöst, sagt Howe Gelb irgendwann gegen den Schluss seines Konzertes. Doch wer braucht schon Sonne, wenn er selbst eine solche Strahlkraft hat? David Gadze

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