Geistliches von kirchenfernen Meistern

ST. GALLEN. Leoš Janáceks «Glagolitische Messe» (1926) kombiniert mit Verdis «Quattro Pezzi Sacri» (1901), das ist ein Programm mit hohen Anforderungen an die Interpreten. Entsprechend selten sind diese beiden so speziellen wie packenden Werke zu hören. Der Tablater Konzertchor St.

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Dirigent Ambros Ott. (Archivbild: Ralph Ribi)

Dirigent Ambros Ott. (Archivbild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Leoš Janáceks «Glagolitische Messe» (1926) kombiniert mit Verdis «Quattro Pezzi Sacri» (1901), das ist ein Programm mit hohen Anforderungen an die Interpreten. Entsprechend selten sind diese beiden so speziellen wie packenden Werke zu hören. Der Tablater Konzertchor St. Gallen spannt mit zwei Basler Chören zusammen, mit dem Motettenchor Region Basel und dem Vivace-Chor Basel. Hundert Choristen unter der Leitung von Ambros Ott singen die beiden jeweiligen Spätwerke der Komponisten. Mit Manuel Walser kommt einer der Solisten aus der Ostschweiz.

«Beide Kompositionen sind religiöse Alterswerke von ausgesprochen kirchenfernen Persönlichkeiten», sagt Dirigent Ambros Ott. Sei Verdi bei aller Dramaturgie sehr innerliche, intime Musik, erlebe er danach die Janácek-Messe fast als Befreiung, als eruptives Erlebnis. «Es ist, als trete man aus einer Kirche in die Natur und der Sonne entgegen.» Und so hätte sich die nicht umkehrbare Programmkombination – zuerst Verdi und dann Janácek – ergeben.

Ja geradezu «übermütig» käme die geistliche Musik des Tschechen daher. «Der geistige Inhalt hat Janácek nicht in erster Linie angetrieben. Die <Glagolitische Messe> wirkt fast eher wie eine pantheistische Zeremonie. Die Tonsprache wirkt weniger elaboriert, dafür aber spontan, impulsiv und farbig», sagt Ambros Ott. Entstanden ist das Werk auch in einer Zeit, in der Janácek von grosser Liebe zu Kamilla Stösslova entflammt war. So atmet diese beschwingte Messe den Schwung junger, heisser Herzen», schreibt der Dirigent im Programmheft.

Ambros Ott führt das Werk mit den erwähnten drei Chören, dem Orchester Les Tempéraments Symphoniques Basel und dem Organisten Frédéric Champion in der altslawischen Originalsprache auf. Neben Manuel Walser singen als Solisten Jardena Flückiger, Ursula Eittinger und Reginaldo Pinheiro. Bei dieser Janácek-Messe müsse man seinen Geist von all den Vorstellungen befreien, was religiöse Musik sein sollte. «Wenn das gelingt, beginnt man beeindruckt zu sein von der undisziplinierten Grösse dieses Werkes», schrieb ein Kritiker über die <Glagolitische Messe>. Martin Preisser

So, 9.11., 17 Uhr, St. Laurenzen

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