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GEILER BLOCK: Kunst mit Körbchengrösse G

Zum zweiten Mal hat die St. Galler Künstlerin Anita Zimmermann Kunstschaffende in ein ­leer­stehendes Haus eingeladen. Als Leila Bock hat sie in Trogen lustvoll netzwerkend die Fäden gezogen.
Martin Preisser
Anita Zimmermann alias Leila Bock auf der Brücke über dem Eisberg-See von Thomas Stüssi. (Bild: Hanspeter Schiess)

Anita Zimmermann alias Leila Bock auf der Brücke über dem Eisberg-See von Thomas Stüssi. (Bild: Hanspeter Schiess)

Martin Preisser

martin.preisser

@tagblatt.ch

In der Stadt St. Gallen gebe es zu wenig Ausstellungsraum. Deswegen mache sie nicht die Faust im Sack. «Ich bin ein Bock, weil bestimmte Sachen nicht stimmen», sagt Leila Bock vom Geilen Block. «Wenn ich mich als Leila Bock präsentiere, reagiert man anders auf mich, als wenn ich mich mit Anita Zimmermann vorstelle.» So «geil» war der Block vor zwei Jahren im St. Galler Quartier Rotmonten, dass Anita Zimmermann die Idee der völlig freien Bespielung eines leeren Gebäudes gerne ein zweites Mal aufnahm. Jetzt in Trogen, im ehemaligen Versandhaus Cornelia.

Geiler Block prangt in lila Lettern am Gebäude. Und wie Turn- und Musikvereine wirbt die Aktion auf den Wiesen des Appenzellerlandes für den speziellen Kunstanlass. «In Trogen habe ich jetzt plakatieren gelernt», sagt Leila Bock. «Die Leila Bock hat schon wieder viel Thermik unter der Bluse, und mit Körbchengrösse G ist sie wieder am Wirbeln», heisst es frech auf der Homepage der Aktion Geiler Block.

Unterschiedliche Welten in ein Haus einfügen

Plattformen für Kunst schaffen, das liegt der Künstlerin Anita Zimmermann. Neid- und eifersuchtsfrei Kunstwelten zusammenführen, das steht hinter der Idee. Und sie überzeugt. Ohne Kuratierung, ohne festes Konzept hat Leila Bock, die sich eben nicht als Kuratorin sieht, dreissig Künstlerinnen und Künstler, die ihr am Herzen liegen oder freundschaftlich verbunden sind, ins vierstöckige Cornelia-Haus eingeladen. Kurz nachdem hier auch der Film «Die göttliche Ordnung» gedreht wurde, zog Kunst ein. Auch wild, bunt, spontan und eben mit praller Oberweite.

Dass sich die Dinge schon ergäben, auch wenn man nicht dauernd eingreife, daran glaubt Anita Zimmermann. «Ich will unterschiedliche Welten in ein Haus einfügen.» Der neue Geile Block in Trogen ist also keine Gruppenausstellung, sondern eine spannende Schau von dreissig Einzelausstellungen neben- und mit­einander. «Kunst darf alles», sagt Anita Zimmermann. Und auch im Cornelia-Haus durfte man alles. Am spektakulärsten der künstliche See, mit dem Thomas Stüssi das erste Stockwerk geflutet hat. Styropor-Eisberge treiben langsam dahin, der Blick nach draussen in die Appenzeller Idylle wirkt da geradezu surreal.

Jeder der dreissig Kunstschaffenden (die Liste liest sich als Who is who der Ostschweizer Kunstszene, ergänzt durch drei Gäste aus Berlin) hat sich ein Eckchen, ein Räumchen, einen Raum, einen Saal, das Treppenhaus oder den Aufzugsschacht ausgesucht, um in den meisten Fällen extra für diesen Anlass Kunst einzurichten oder überraschend zu inszenieren. Dass da bewusst niemand ordnend eingegriffen hat und doch alles so organisch wirkt, ist das auffälligste Merkmal dieser Kunstaktion.

Und doch hat Anita Zimmermann mit ihrem grossen Netzwerk und ihrer langen Erfahrung, auch die vielfältige Off-Kunstszene St. Gallens und der Ostschweiz immer wieder zu präsentieren, hier lustvoll die Fäden gespannt. Ein wenig anarchisch und stets freilassend. Junge Künstler sind zu sehen, aber auch viele eta­blierte. Namen wie Beni Bischof, Karin K. Bühler, Andy Guhl, Stefan Rohner, Hans Schweizer, Olga Titus oder Andrea Vogel stehen dafür exemplarisch.

Anita Zimmermann steuert mit einem Spiegelkabinett selbst auch Kunst bei. «Ich möchte als Künstlerin bei mir bleiben und alles ganz so selbst machen, wie ich das kann.» Diese Haltung hat Leila Bock lustvoll auf den neuen Geilen Block übertragen, mit dem Ergebnis einer überraschenden Schau. Kunst ganz direkt, ein wenig unkontrolliert, sich gegenseitig befruchtend, belebend, abseits vom sonstigen Kunstbetrieb. Ein verlockendes «Heimspiel» der offenen, alternativen Art.

«Schöne Aussicht» steht auf der Hausfassade des Geilen Blocks: Idyllische Aussicht nach draussen und anregende Aussichten auf eine Körbchen-G-Kunst-Oberweite drinnen.

Cornelia-Haus, direkt an der Haltestelle Trogen Gfeld: Fr–So, 16.–18. und 23.–25. Juni, 10–24 Uhr Infos zu Veranstaltungen und Lesungen: geilerblock.ch

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