Geige, intim

Hörbar klassik Es überrascht nicht, wenn ein junger Geiger nach dem Sieg beim Leipziger Bach-Wettbewerb für seine Début-CD Werke des Thomaskantors wählt. Obwohl der Russe Evgeny Sviridov traditionell ausgebildet wurde, zeigt er sich vom Barock-Virus befallen.

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Hörbar klassik

Es überrascht nicht, wenn ein junger Geiger nach dem Sieg beim Leipziger Bach-Wettbewerb für seine Début-CD Werke des Thomaskantors wählt. Obwohl der Russe Evgeny Sviridov traditionell ausgebildet wurde, zeigt er sich vom Barock-Virus befallen. Er spielt seinen Bach bravourös und mit viel Freiheit. Verblüffend ist die Ergänzung mit zwei Sonaten Heinrich Ignaz Franz Bibers. Der gebürtige Salzburger, ein halbes Jahrhundert älter als Bach, betätigte selber die Violine und komponierte Furchterregendes. So ist die A-Dur-Sonate Nr. 8 für zwei Geigen notiert, soll jedoch auf einem Instrument ausgeführt werden. Eine Herausforderung für Hexenkünstler auf vier Saiten!

Genuin GEN 11207

Geige, schwärmerisch

Ein anderer hoffnungsvoller Geiger aus Europas Osten, der Ukrainer Andrej Bielow, präsentiert Stücke von Christian Sinding. Eine knappe Generation jünger als Grieg, gehört Sinding in den romantischen Strang der norwegischen Musik. Freilich findet man bei ihm wenig Nordisches. Kein Zufall bei einem Tonschöpfer, der sein halbes Leben auf dem Kontinent verbrachte und seine Bewunderung für die deutsche Tonkunst nie versteckte. Dem eigenen Instrument, der Geige, schenkte er manch Dankbares. Es sind «atmosphärische» Töne, und so verwundert es kaum, dass Miniaturen wie «Abendstimmung» fast mehr betören als die drei ausgewachsenen Violinkonzerte.

cpo 777 114

Cello, singend

Nein, die süffigen Rhythmen und Melodien der Filmmusik zu «Alexis Sorbas» darf man von der Cello-Rhapsodie des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis nicht erwarten. Obwohl dieser auch in diesem Spätwerk durchaus auf thematisches Material seiner Heimat zurückgreift. Schliesslich hat er bedeutsame Lieder geschrieben, und das Cello gilt ihm als jenes Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten steht. Jedenfalls eine Gelegenheit für den aufstrebenden Cellisten Johannes Moser, die neun Musen, die Theodorakis tönend abbildet, zu wohlklingendem, hie und da kernigem, meist aber lyrischem Leben zu erwecken.

Coviello 30612

Mario Gerteis

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