Geheimnisse hinter Vorhängen

Mit Textil- und Fotoarbeiten und einer floralen Installation spielt Christoph Rihs in seiner Ausstellung «Les Jalousies jalouses» das Spiel um Verschleierung und Klarheit. Sinnlich und sommerlich.

Martin Preisser
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Mit kunstvoller, detailliert ausgearbeiteter Pflanzenornamentik wirkt diese Installation als Raumteiler in der Kunsthalle Wil. (Bild: Michel Canonica)

Mit kunstvoller, detailliert ausgearbeiteter Pflanzenornamentik wirkt diese Installation als Raumteiler in der Kunsthalle Wil. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser

@tagblatt.ch

Geheimnisvoll vielschichtig und bewusst inszeniert als Uneindeutigkeit, mit Aussagen in der Schwebe: Diese Haltung zieht sich durch die Arbeiten von Christoph Rihs, unabhängig vom gewählten Medium. Eigens für die Kunsthalle Wil sind «Les ­Jalousies jalouses» entstanden. Stoffbahnen, aus denen mit Laser Wörter und absurde Lyrik herausgeschält wurden.

Durch Hängung und Platzierung der Vorhänge, zwischen denen man hindurchgehen kann, entsteht eine Atmosphäre der Spannung zwischen Textklarheit und Täuschung. Das Wort löst sich fast wie in einem Raum zwischen Inhalt und Sinn auf. Eine spannende Kunsterfahrung für den aufmerksamen Besucher.

Daneben hängen Fotoarbeiten des in Biel lebenden Künstlers. Ein Bild eines ägyptischen Gotteshauses von innen: Es ist neu zusammengesetzt, in einer Art, dass der fotografierte Raum plötzlich eine Dreh- und eine Sogwirkung zu bekommen scheint. Schönheit und architektonische Gewissheit werden plötzlich verzerrt und brüchig. Der Betrachter wird in einen Strudel hineingenommen, bei dem auch der Sehvorgang plötzlich anders erlebbar wird. Ein leichter Schwindel stellt sich ein.

Zwischen Jalousien der Eifersucht

«Les Jalousies jalouses» könnte man auch mit eifersüchtige Eifersüchte übersetzen. Also entzieht sich auch der Titel der Ausstellung – wie die ästhetisch und handwerklich genau gestalteten Werke – der Eindeutigkeit. Ist mit diesen Vorhängen, zwischen denen Eifersüchte «hängen», «eine Fährte zum Harem gelegt», wie die Kuratorin der Ausstellung, Gabrielle Obrist, mutmasst? Man interpretiert nicht zu viel hinein, wenn man den Arbeiten des 1957 in Beirut geborenen Schweizer Künstlers auch das Attribut orientalisch zuordnet. Die Werke wirken sinnlich, leben von starker, üppiger Ornamentik, ja haben teilweise fast etwas Feminines.

Das trifft besonders für die Blütenarbeiten in der Haupthalle zu. Auf vier hängenden Mdf-Panelen lässt Christoph Rihs den «Oberdorfer Pestwurz» wuchern. In minutiös mit Laser freigelegten Blattformen. Die vier grossen Tafeln wirken geheimnisvoll, teilen den Raum, assoziieren das heimlich Abgetrennte in lustvoll orientalischer Ambiance. Wie in den Fotografien oder Stoffbahnen entsteht auch hier wieder dieser (angenehme) Schwebezustand, zu dem der Künstler die Betrachtenden lockt.

Eine Bemerkung im Beschrieb der Ausstellung attestiert Christoph Rihs’ Rhabarberbank, auf die man sich setzen kann, mit ihren silbrigen Blättern zu Recht «unbändige Vitalkraft, die aber von trügerischer Stabilität ist».

Ein ganzes Jahr hat Christoph Rihs an einer wunderschönen Wandarbeit gearbeitet, einer Art 16-teiligem Fries. Wieder wuchert hier der Pestwurz als Ergebnis detailversessener Druckgrafik, wieder ans Orientalische erinnernd und sinnliche Uneindeutigkeit ausstrahlend. Die Ausstellung in der Kunsthalle Wil hat bei allem ästhetisch Experimentellen aber einfach auch etwas richtig Sommerliches!

Bis 16. Juli; Do–So, 14–17 Uhr; Künstlergespräch: Sa, 1.7., 16 Uhr; kunsthallewil.ch