Geheimnis des Glaubens: Der Bach-Chor St. Gallen singt Schuberts Messe in Es-Dur

Adventliche Erwartung prägte die Werke von Franz Schubert beim Jahreskonzert des Bach-Chors am Samstagabend in der Kirche
St. Laurenzen.

Bettina Kugler
Drucken
Teilen
Dirigentin Anna Jelmorini, seit zehn Jahren Leiterin des Bach-Chors St. Gallen; hier an einer Probe.

Dirigentin Anna Jelmorini, seit zehn Jahren Leiterin des Bach-Chors St. Gallen; hier an einer Probe.

Coralie Wenger

Für weihnachtlichen Glanz und Jubel wäre es noch etwas früh. Dennoch nehmen viele geistliche Konzerte im Advent die Festtagsfreude schon vorweg - statt verhalten darauf einzustimmen und das Warten auf Erlösung zum Ausdruck zu bringen. Anders der Bachchor St. Gallen unter der Leitung von Anna Jelmorini. Schuberts Es-Dur Messe hat die agile, vor Musikalität sprühende Dirigentin aufs Programm des vorweihnachtlichen Jahreskonzerts gesetzt, zusammen mit dem ebenfalls in Schuberts Todesjahr 1828 komponierten Offertorium "Intende voci": Das ist Musik, die nicht vom Himmel fällt wie das strahlende Hosanna der Engelsscharen.

Bescheiden wirkt sie, oft liedhaft schlicht und ziemlich irdisch, trotz grosser Orchesterbesetzung mit Posaunen, Hörnern und Trompeten, und obwohl der Chor darin das Singen und Sagen hat: als betende Gemeinde. Das um einen zweiten Tenor erweiterte Solistenquintett (Irene Mattausch, Ingrid Alexandre, Rolf Romei, Igor Marinkovic, Robert Koller) kommt vor allem dort zum Zuge, wo noch eine Extraportion Innigkeit gefragt ist. Im eingangs gesungenden Offertorium geht Tenor Rolf Romei dem Chor zunächst voraus - dann sind die Stimmen eng verflochten im sanften Flehen himmelwärts.

Bekenntnis im Flüsterton

Beginnt das Credo in vielen Messvertonungen über alle Zweifel erhaben, kraftvoll-energisch, so überrascht Schubert in der Es-Dur-Messe mit einer Verkündigung hinter vorgehaltener Hand: auf einen leisen Paukenwirbel folgt das Bekenntnis, als werde ein Geheimnis des Glaubens weitergesagt. Ein vom Chor eindrücklich gesungener Satzbeginn, der zur adventlichen Haltung passt, mit der Anna Jelmorini Schubert interpretiert.

Klanglich eine Spur zu bescheiden spielt das Capriccio Barockorchester aus Basel, spezialisiert auf Originalklang barocker, klassischer und frühromantischer Werke; das wirkte sich auf die Gesamtdynamik dämpfend aus. Gut möglich, dass der keineswegs klein besetzte Chor mehr aus der Reserve gekommen wäre in den dramatischen Passagen - die nämlich gibt es in der Es-Dur-Messe durchaus auch. Man hört darin ebenso wie im ruhigen Fluss des "Kyrie", des "Dona nobis pacem", wie nah sich Schubert seinem Ende wusste.