Geh mir aus der Sonne

Paparazza

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Geh mir aus der Sonne

Geh mir aus der Sonne

Erinnern Sie sich noch an «Tan Mum»? Die heute 49-jährige Patricia Krenticil erlangte 2012 zweifelhafte Berühmtheit, weil ihr angelastet wurde, sie habe ihre damals fünfjährige Tochter im Solarium auf die Sonnenbank gelegt. «Tan Mum» musste vor Gericht erscheinen, worauf die Welt erfuhr, dass sie sich seit 20 Jahren, manchmal mehrmals am Tag, unter die künstliche Sonne lege, weil sie «zum Braunwerden geboren sei». Ihr Hautton glich denn auch jenem einer gut gegrillten Bratwurst. Die Welt lernte Dank der Amerikanerin auch den Begriff: Tanorexie kennen. Die Sucht, einen gebräunten Teint zu haben. Die Betroffenen fühlen sich ungebräunt krank.

«Tan Mum» wurde freigesprochen, es fehlten die Beweise. Mütter allein dafür zu verurteilen, weil sich ihre Kinder einen Sonnenbrand holen, das traut sich (noch) kein Gericht. Zumal es 2017 eher ein Gesetz geben müsste, welches Eltern zwingt, ihre Kinder zumindest für einige Minuten an der Sonne spielen zu lassen. Eventuell sogar ohne Ganzkörper-UV-Schutz, riesiger Sonnenbrille und Hijab-ähnlicher Kopf­bedeckung. Aber nicht nur der Zeitgeist hat sich gewandelt, auch «Tan Mum» ist nicht mehr dieselbe. Sie will nun die Schule ihrer Tochter verklagen, weil ihre Kleine, als sie heimkam, aussah «wie ein verbranntes Pommes frites!» Sie sei von ihrer Lehrerin nicht ordnungsgemäss eingeschmiert worden. Andere Zeiten, andere Skandale.

Katja Fischer De Santi