Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Paula macht aus der Trennung das Beste

In «Jeune femme» begleitet Léonor Serraille eine Frau durch die Turbulenzen, die dem Ende einer Beziehung folgen. Ihr Film kommt erfrischend ungestüm daher und lebt vor allem von seiner Hauptdarstellerin.
Irene Genhart
Laetitia Dosch spielt Paula grossartig. (Bild: PD/Cineworx)

Laetitia Dosch spielt Paula grossartig. (Bild: PD/Cineworx)

Eine Liebe, zur Beziehung geworden, geht zu Ende. Nicht ohne Schmerzen zu verursachen und auch Blessuren zurückzulassen. Und wenn man dann, wie Paula in «Jeune femme», zehn Jahre nachdem man das Kunststudium hin- und sich seinem damaligen Professor an die Brust geschmissen hat, aus der gemeinsamen Wohnung ausgeschlossen sich auf der Strasse wiederfindet, ist die Situation saumässig unangenehm. Weil man in den zum Teil im Ausland verbrachten, zweisamen Jahren die eigenen Freunde und Familie aus den Augen verloren hat und nun niemanden kennt, der einen trösten und vorübergehend aufnehmen könnte.

Paula tobt spätnachts ausser sich und unbekümmert, was die Nachbarschaft betrifft, los. Rabaukt in der Strasse vor dem Haus, in dem Joachim haust, im Treppenhaus, vor der Wohnungstür, und merkt nicht, dass sie sich dabei selber verletzt. Flammend rot wird sie die Wunde auf der Stirn fortan durch den Film begleiten, vorerst aber bringt sie sie ins Krankenhaus, wo sie schliesslich mittels Spritze ruhiggestellt wird.

Befreiend lostoben

Man hat solch ungestümes Seelentoben auf Leinwand noch selten gesehen. Es hat bei allem Mitleid, das man für diese seltsam verlorene, energetisch gleichwohl sehr aufgeladene Paula entwickelt, auch etwas Erfrischendes an sich: Derart befreiend loslassen und toben hätte man vor Kummer gern auch schon mal wollen in seinem Leben.

Man fragt sich, ob solche Enthemmung eine Generationen- und Zeitgeist-Frage ist – oder ob Léonor Serraille, die mit «Jeune femme» ihren ersten Spielfilm vorstellt, sich bloss von Filmen wie «Frances Ha» (Noah Baumbach, 2012) und «Happy-Go-Lucky» (Mike Leigh, 2008) inspirieren liess und ihrer Hauptdarstellerin Laetitia Dosch deren Darstellerinnen – Greta Gerwig und Sally Hawkins – als Vorbilder hinstellte. Doch eigentlich ist solches Fragen müssig, denn «Jeune femme» vermag durchaus eigenständig in Bann zu ziehen.

De facto schildert «Jeune Femme» ziemlich konzis, was Menschen nach einer langjährigen Beziehung durchleben, bis sie nach einer Weile wieder bei sich selber ankommen. Doch Seraille erzählt ausnehmend stringent und lässt sich dabei konsequent auf ihre Protagonistin ein. Das setzte diese frei. Gibt Paula viel Zeit und Raum, sich im normalhektischen Paris einfach fallen und treiben zu lassen. Ziellos durch die Gegend zu stromern und dabei auch einige unsinnige Dinge zu tun wie Joachims Katze zu entführen, notzulügen und flunkern und schliesslich gar eine Unbekannte in der Métro glauben zu lassen, sie sei deren lange nicht mehr gesehene Schulkameradin.

Intensiv und impulsiv

Schritt für Schritt beginnt sich Paula zu fangen. Zieht erst in ein Hotel, dann in die Mansarde einer Frau, die sie als Kindermädchen einstellt. Nach einer Weile kommt ein zweiter Job in einem Dessous-Shop dazu, irgendwann lernt Paula einen neuen Mann kennen. Laetitia Dosch – im Film flammend rothaarig und mit faszinierend verschiedenfarbigen Augen – spielt Paula intensiv, impulsiv und bei aller irrwitzigen Gefühlsstürmigkeit überaus konzentriert.

Eine grossartig-souveräne Leistung in einem kleinfeinstarken Frauenfilm.

Läuft im Stattkino in Luzern

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.