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Balthus in der Fondation Beyeler: Skandalträchtige Bilder ohne Warnhinweis

Zu Lebzeiten war er ein grosser Einzelgänger der Malerei. Umstritten ist Balthus heute mehr denn je. Trotzdem präsentiert die Fondation Beyeler seine erotischen Jungmädchen-Bilder.
Rolf App
In New York sollte das Bild «Thérèse rêvant» von Balthus mit einem Warnhinweis versehen werden. In der Fondation Beyeler in Riehen gibt es keine Vorsichtsmassregel. (Bild: Patrick Straub)
6 Bilder

Balthus in der Fondation Beyeler

Man weiss nicht viel über sie, denn gestorben ist Thérèse Blanchard in jungen Jahren. Sie konnte nichts ahnen von jener Berühmtheit, die sie einmal haben würde. Denn als Balthus, mit vollem Namen Balthasar Klossowski de Rola, sie in den späten Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts mehrfach malte, oft in erotischer Pose, da war er ein Aussenseiter der Kunst – und ist es auch bis zu seinem Tod im Jahr 2001 (siehe Text unten) geblieben. Was jetzt in der Fondation Beyeler zum ersten Mal derart umfassend gezeigt wird, bestätigt, wie einzigartig dieses Werk ist in seiner geheimnisvollen Unzugänglichkeit. Thérèse, die auch Prospekt und Taschen ziert, macht da keine Ausnahme. Sie schaut nicht uns an, sondern verträumt ins Leere. Der Rock ist hochgerutscht.

Sie sei schockiert «ein Gemälde zu sehen, das ein junges Mädchen in einer sexuell anregenden Pose zeigt», hat letzten Herbst die Kunstwissenschafterin Mia Merrill in einer Petition an das Metropolitan Museum in New York geschrieben, und verlangt, dass «Thérèse rêvant» mit einem Warnhinweis versehen werde. Der solle darauf aufmerksam machen, dass «einige Betrachter dieses Werk anstössig oder verstörend finden angesichts von Balthus’ künstlerischer Vernarrtheit in junge Mädchen.»

«Was irritiert Sie an Balthus?»

Balthus (1908 - 2001) im Jahr 1948. Bild: Irving Penn © The Irv)

Balthus (1908 - 2001) im Jahr 1948. Bild: Irving Penn © The Irv)

Das New Yorker Museum ist dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Auch bei Beyeler gibt es keine Warnhinweise. Aber es liegen Karten auf, die zur Meinungsäusserung einladen. Sie fragen: «Was fasziniert, irritiert oder überrascht Sie an Balthus’ Bildern?» Man darf gespannt sein, wie die Reaktionen eines durch die Metoo-Debatte geprägten Publikums ausfallen. Dieses Publikum wird sich dann auch mit der Frage auseinandersetzen müssen, worin der Unterschied besteht zwischen Pornografie und Kunst. Und es wird vielleicht zu Einsichten kommen, wie sie im Gespräch Raphaël Bouvier äussert, der Kurator der Ausstellung. «Mir zeigt sich die enorme Differenz schon in der Akzentsetzung des Motivs», sagt er.

«Pornografie betont das Geschlechtliche und den sexuellen Akt, was aber nicht ausschliesst, dass Elemente der Pornografie nicht zu Kunst werden können – etwa bei Jeff Koons. Balthus dagegen ist weit entfernt davon. Für ihn ist das Thema Kindheit wichtig, und zwar schon in der ersten Zeichnung, die er als Elfjähriger gemacht hat.»

Diese Kinder sind in gewissem Sinn Traumwesen, weil sie in ihrer eigenen Welt leben. Balthus malt sie durchwegs in selbstbewusster Pose. Und er vermittelt auch ein ganz eigenes Zeit- und Raumgefühl. In seinen Bildern steht die Zeit still, etwa in der «Passage du Commerce-Saint-André», einem Stück Strasse voller merkwürdiger, wie festgefrorener Figuren.

Balthus’ Bilder sind ruhevoll und spannungsreich zugleich, und ihnen wohnt durchaus Irritationskraft inne, nicht nur wenn sie jugendliche Erotik und Unbefangenheit einfangen. Gerade dies aber gehört zu den Kernaufgaben der Kunst: Dass sie uns auch verstören kann.

«Wir leben in einer Welt der Tabuisierungen»

Früher haben vor allem Obrigkeiten das Grenzüberschreitende an der Kunst bekämpft, die Kunstfreiheit hat sich im Konflikt mit ihnen etabliert. Heute kommt der Druck von unten. Es gebe «Tendenzen zur Prüderie und Rückschritte in der Emanzipation», hat Marion Ackermann, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Dresden, erklärt.

«Es zeigt sich, dass wir in einer Welt der Verbote und Tabuisierungen leben.»

In dieser Welt kann es zu absurden Reaktionen kommen. Als ein Parlamentarier in den Verdacht geriet, sich kinderpornografisches Material beschafft zu haben, erreichte die Gemäldegalerie Berlin der Aufruf, das Bild des jungenhaften «Amor» von Caravaggio müsse wegen seiner «unnatürlichen und aufreizenden Position» ins Depot.

Die Fondation Beyeler setzt in dieser Situation auf Offenheit. «Vielleicht ist da auch wieder eine neue Sensibilität für gewisse Themen aufgekommen», gewinnt Raphaël Bouvier dem Ganzen auch etwas Positives ab.

Fondation Beyeler, Riehen, bis 1.1.2019

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