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Gedichte, «tengg wes Läbä»

Zum Tag der Mundart an der Offa: St. Gallische und berndeutsche Lyrik von Erwin Messmer und Ernst Eggimann. Peter Surber

Mundartliteratur: ein Fall für Vorgestrige? Der Berner Altmeister Ernst Eggimann hat in einem seiner Kurzgedichte ironisch mit diesem Vorurteil gespielt. Das Gedicht heisst «bärner schriftsteuerverein» und geht so:

wo der sime gfeuer no

wo der sime gfeuer no

wo der bauzli no

wo der bauzli no

wo der gotthäuf no

wo der gotthäuf no

wo der liebgott no

wo der liebgott no

aber hütt

aber hütt

Mag sein, dass es hütt weniger Schriftstellervereinsmeierei gibt – aber mit Sicherheit eine umso lebhaftere Mundartszene. Eggimann selber war vor Jahrzehnten einer ihrer Pioniere, lang bevor Slam und «spoken poetry» als Begriffe in Mode gekommen sind. Zu seinem 75. Geburtstag erscheinen jetzt in der «edition spoken script» des Verlags Der Gesunde Menschenversand die besten Eggimann-Gedichte neu.

Unheimelige Dorfszenen

Sie zeigen die vorrangige Qualität guter Mundartlyrik: das ganz Nahe, das Allerheimischste unheimelig werden zu lassen. «üses dorf» heisst eine dieser freundlich-bissigen Nahaufnahmen. Das Dorf spricht… und obacht: «we ds dorf seit / är isch es chaub / de isch er es chaub / u we ds dorf seit / da gitts nüt / de gitts nüt». Eggimanns Schlussfolgerung bringt das Elend im schönen Dorf im schönen Schweizerland auf den Punkt: «em beschte schwigsch».

Fluchen und beten

Einer, der nicht schweigt und dem Volk ebenfalls im Dialekt aufs Maul schaut, ist Erwin Messmer. Der Ostschweizer in Bern, Musiker und Autor, legt nach sechs hochdeutschen Büchern erstmals Dialektgedichte vor: «Gschlaik und Gschtelaasch».

Die beiden Begriffe führen sogleich tief in den Wundergarten der Mundart hinein. Im Titelgedicht wird es noch expliziter: «ä huerä Gschlaik», «än uuhuerä Gschtelaasch» und e «Saupuff» herrschen da. Messmer weiss, dass man im Dialekt solid fluchen kann, und er tut es daher auch im Dialektgedicht – wenn auch unter dem warnenden Titel «Metafärä»: «I gipter p'Fuuscht i t'Schnorä / dassder t'Zääh im Arschloch unä / Klavirr schpiläd». Starkdeutsch, nichts für Zartbesaitete.

Aber Messmer kennt auch die subtileren Tonlagen. Lässt die Tochter den Trostspruch des Vaters, ihre Krankheit gehe ja vorüber, «i ainer Tröchni» quittieren mit dem Satz: «jojo scho guet, teengg wes Läbä». Oder lässt sich den beliebten Satz auf der Zunge zergehen, es treffe «immer di Anderä / nuiisälber niä» – bis man am Ende dann selber doch zu den anderen gehört. Ob die letzten Dinge des Lebens oder die hinterletzten Niederungen des Alltags: Vor Messmers manchmal ganz träfen, manchmal im Plauderton schweifenden, manchmal auch etwas gequält humorigen Zeilen ist nichts sicher.

St. Gallen und Tippilzou

Heute ist der Autor an der Offa in St. Gallen zu Gast, im Rahmen des Tags der Mundart gibt er Auskunft und liest. Neben ihm eine andere Ostschweizer Stimme, eine der urigsten und kundigsten: Berta Thurnherr erzählt und liest Texte in «Tippilzouar Spròòch». Für Nicht-Rheintaler: im Diepoldsauer Dialekt.

Erwin Messmer: Gschlaik und Gschtelaasch, Drey-Verlag Gutach 2010, mit CD, Fr. 30.– Ernst Eggimann: u ner hört, Verlag Der gesunde Menschenversand Luzern 2011, Fr. 23.– Offa-Mundart-Tag: ab 11.15 Uhr

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