GEBURTSTAG: Stilbildend komisch

Der britische Schauspieler und Regisseur Terry Jones von der Komikergruppe Monty Python ist heute 75 Jahre alt. Eine schwere Krankheit macht ihm zu schaffen.

Richard.clavadetscher@tagblatt.ch
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Seine weltweite Fangemeinde nahm die Nachricht mit grosser Anteilnahme auf: Ende September vergangenen Jahres ist bekannt geworden, dass Terry Jones, Mitbegründer der britischen Komikergruppe Monty Python, an primär-progressiver Aphasie leidet. Diese Form von Demenz lässt Betroffene mehr und mehr ihre Sprache verlieren. So ist es auch bei Terry Jones, der heute 75 Jahre alt wird.

Es ist nicht die erste schwere Erkrankung des Schauspielers,Autors und Regisseurs Terry Jones: Vorrund zehn Jahren diagnostizierten die Ärzte bei ihm Darmkrebs. Operation und Chemotherapie waren jedoch erfolgreich. Nun also diese spezielle Form von Demenz. Monty-Python-Mitglied und Freund Michael Palin bezeichnete es als «das Grausamste, was einem Menschen zustossen kann, für den Worte, Ideen, Argumente, Witze und Geschichten Lebensinhalt waren».

Eine treffende Beschreibung des Jubilars, der mitbürgerlichem Namen Terence Graham Parry Jones heisst: Jones studierte an der St Edmund Hall der Universität Oxford Englisch und Geschichte. Und er besuchte dort auch den Experimental Theatre Club. Nach Studienabschluss ging Jones zum britischen Fernsehen und war zusammen mit Palin, der ebenfalls in Oxford studiert hatte, für verschiedene Sendungen verantwortlich. Daneben schrieb er Drehbücher für etliche TV-Shows.

Bekannt geworden ist Terry Jones schliesslich ab den Siebzigerjahren durch Monty Python, wo er alsAutor und Darsteller wirkte und mit Bartschatten, buschigen Augenbrauen und kreischender Stimme die weiblichen Quälgeister der Truppe verkörperte. Der anarchische Humor der Truppe ist bis heute wegweisend und von vielen Komikern adaptiert und weiterentwickelt worden.

Allerdings war Jones auch in der Monty-Python-Zeit stets auch mit eigenen Projekten beschäftigt: Fernsehserien, Filme, Theater. Gar als Kinderbuchautor zeichnete er sich aus. Und auch der Historiker in ihm forderte sein Recht: Jones war zum Beispiel Autor und Präsentator der 1995 ausgestrahlten vierteiligen BBC-Dokumentar­reihe über die Kreuzzüge.

Abseits seiner Arbeit alsRegisseur und Schauspieler engagierte sich Jones für den Umweltschutz, und er schrieb mehrere Bücher mit sozialkritischem Inhalt. Auch die Tagespolitik war ihm nicht egal: So veröffentlichte der britische «Observer» 2003 einen vielbeachteten «Brief» von Jones, in dem er den damaligen Irak-Konflikt satirisch abhandelte und die Denkwelt des amerikanischen Präsidenten George W. Bush veräppelte.

Privat ist von Jones bekannt, dass er 1970 Alison Telfer, eine Biochemikerin, ehelichte. Mit ihr hat er zwei Kinder, von denen Sohn Bill bekannt ist als Filmeditor und Dokumentarfilmer. Anlässlich einer Signierstunde verliebte sich Jones dann aber in die 41 Jahre jüngere schwedische Studentin Anna Söderström, die er 2012 heiratete und mit der er eine Tochter hat.

Als bisher letzte Ehrung erhielt Terry Jones Anfang Oktober letzten Jahres den prestigeträchtigen Bafta-Cymru-Preis der britischen Filmakademie in Wales. An diesem Anlass konnte Jones nicht mehr selber sprechen. So war es denn sein Sohn, der sich mit emotionalen Worten des Dankes an das Publikum wandte. Freund Michael Palin überreichte die Trophäe – und schrieb danach auf Facebook: Es war sehr schmerzhaft zu sehen, wie seine Demenz fortschreitet.»

Richard Clavadetscher

richard.clavadetscher@tagblatt.ch