GEBURTSTAG: Arthur Cohn – ein Exot in Hollywood

Der sechsfache Oscar-Gewinner Arthur Cohn feiert heute seinen Jahrestag. Doch wichtiger ist dem Basler Filmproduzenten die Premiere des neuen Werks.

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Arthur Cohn feiert heute seinen 90. Geburtstag. (Bild: JOERG CARSTENSSEN (EPA))

Arthur Cohn feiert heute seinen 90. Geburtstag. (Bild: JOERG CARSTENSSEN (EPA))

Über seinen heutigen runden Geburtstag mag er nicht reden. Ja, es gibt sogar Gerüchte, wonach Arthur Cohn zu verhindern versuche, dass man sein Alter nenne. Allerdings will dieses Gerücht nicht recht zu einem Mann passen, der hoch gerühmt wird dafür, keinen Geburtstag seiner Freunde und Bekannten zu vergessen. Zudem: Sein Geburtstag, der 4. Februar 1927, lässt sich schnell und einfach im Internet finden.

Es stimmt freilich, dass der berühmteste und bedeutendste Schweizer Filmproduzent lieber über seine Arbeit spricht als über sich selber. Sechs Oscars hat er in seiner langen Karriere bereits gewonnen, drei Titel als Ehrendoktor hat er inne. Am kommenden Donnerstag feiert sein neues Werk eine Vorpremiere – in seiner Heimatstadt Basel, wie es Tradition ist für Arthur Cohn. Zahlreiche Prominenz wird erwartet, darunter die schwedische Schauspielerin Liv Ullmann, mit der er seit langem eng befreundet ist; «ein Herz auf zwei Beinen» nennt Cohn sie liebevoll.

«The Etruscan Smile» heisst das neue Werk, die Verfilmung einer Novelle des spanischen Schriftstellers José Luis Sampedro. «Das Lächeln bezieht sich auf eine etruskische Terrakottafigur, welche der alte Mann, der Hauptdarsteller meines Films, in einem Museum sieht», sagt Arthur Cohn. Die Hauptrolle, einen Grossvater, der an Krebs erkrankt und nur noch drei Monate zu leben hat, verkörpert der schottische Schauspieler Brian Cox. Der Basler hatte die Filmrechte bereits 1998 erworben. «Wir haben zweieinhalb Jahre am Drehbuch geschrieben und die Geschichte von Italien nach Schottland und in die USA verlegt», sagt Cohn.

Arthur Cohn ist zwar mit vielen Stars befreundet, arbeitete aber zumeist mit weniger bekannten Darstellern. «Stars sind zu teuer für meine Filme. Al Pacino ist mir bei ‹Two Bits› sehr entgegen gekommen, weil er ihn unbedingt machen wollte, ebenso Michael Douglas bei ‹One Day in September›.» Bei der Regie setzt er gerne auf junge Leute, wie in «The Etrus­can Smile» auf das israelische Ehepaar Oded Binnun und Mihal Brezis. «Ich habe oft mit Erstlingsregisseuren gearbeitet und dabei gute Erfahrungen gemacht.» Drei seiner Débutfilme haben Oscars gewonnen.

Über die Wahl seiner Projekte sagt Cohn: «Ich mache emotionale Filme für die ganze Familie. In meinen Filmen gibt es keine Gewalt, keinen Sex und keine Special Effects.» Wie lassen sich damit sechs Oscars gewinnen? «Rückblickend kann ich sagen, dass die Wahl des Sujets und die mehrjährige Arbeit am Drehbuch der Hauptgrund für die Oscars waren. Aber damit bin ich ein Exot in Hollywood. Dabei habe ich alle wichtigen Entscheidungen zu meinen Filmen intuitiv, aus dem Bauch heraus getroffen, oft gegen den Rat von wichtigen Leuten aus der Filmbranche.» Ans Aufhören denkt Arthur Cohn nicht. Bereits arbeitet er an einem neuen Film.

Andreas Stock/ Beat Glur, sda