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Gebucht-Rubrik mit Philomena Colatrella: «Ich ziehe stets was anderes daraus»

Wenn Philomena Colatrella Antworten auf Lebensfragen sucht, liest sie den Dichter Rainer Maria Rilke.

Ressort Leben & Wissen und Kultur
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Philomena Colatrella ist die Chefin der Krankenversicherung CSS. Die 51-Jährige hat Rechtswissenschaften studiert und lebt in Luzern.

Philomena Colatrella ist die Chefin der Krankenversicherung CSS. Die 51-Jährige hat Rechtswissenschaften studiert und lebt in Luzern.

Bild: Alex Spichale

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?

Philomena Colatrella: Da ich sehr gern und viel lese, habe ich immer einen Stapel auf meinem Nachttisch. Im Moment sind es Hannah Arendt («Die Freiheit, frei zu sein»), Emily Brontë («Wuthering Heights») und Peter Stamm («Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt»). Immer wieder zur Hand nehme ich Kriminalromane von Andrea Camilleri. Sein Commissario Montalbano ist eine Instanz.

Wie viele Bücher haben Sie in Ihrer Wohnung?

Es sind wohl gegen 1000 Bücher, sie füllen bei mir ganze Wände aus. Das schafft auch eine angenehme Wohnatmosphäre, und es gibt mir ein gutes Gefühl, wie in einer Bibliothek jederzeit auf ein Buch zurückgreifen zu können.

Wie lesen Sie?

Auf Reisen habe ich sicher immer das E-Book dabei, aber in der Regel findet auch ein gedrucktes Buch Platz in meinem Gepäck. Denn das Lesen ist für mich auch eine haptische Erfahrung.

Welches Buch hat Ihr Leben verändert? Und warum?

«Briefe an einen jungen Dichter» von Rainer Maria Rilke – ein wunderbar kluges Buch, das an existenzielle Fragen rührt und dazu animiert, seine eigenen Wege zu gehen, unabhängig zu bleiben und sich der Ernsthaftigkeit des Lebens zu stellen, statt sich zu verstellen. Das Buch hat mich in jungen Jahren sehr geprägt. Noch heute nehme ich es in die Hand und ziehe immer wieder etwas anderes daraus. Das spricht für die Qualität eines Buches.

Welches aktuelle Buch empfehlen Sie unseren Lesern?

«Unerhörte Stimmen» von Elif Shafak. Ein berührendes Buch, das den Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme gibt und ein poetisches, kraftvolles Plädoyer für Solidarität im Alltag und für Freundschaften ist.

Wie stossen Sie auf neue Bücher?

Ich höre sehr auf Empfehlungen von Freunden und Bekannten, stöbere aber auch in Buchhandlungen herum. Da lasse ich mich von zufälligen Entdeckungen leiten. Auch die Zeitungslektüre bringt mich auf das eine oder andere Buch.

In welche Romanfigur haben Sie sich verliebt?

In den Studenten Michael Berg aus «The Reader» von Bernhard Schlink. Es war die Kombination aus Mut und Sensibilität, die mich an dieser Figur fasziniert hat. Ein komplexer Charakter, der über die Jahre eine interessante Wandlung durchmacht: vom tagträumenden Teenager zu einem Erwachsenen voller innerer Konflikte und hoher Reflexionsfähigkeit.

Und mit welcher Romanfigur möchten Sie einmal ein bisschen plaudern? Und worüber?

Mit Giulia, der Protagonistin aus dem Film «Giulias Verschwinden» – sie wäre die perfekte Gesprächspartnerin, um über das Älterwerden zu plaudern.

Welches Buch haben Sie nie zu Ende gelesen? Warum?

«Generation Golf» von Florian Illies. Ich empfand das Buch als stigmatisierend. Und ich bin mittlerweile sehr skeptisch, wenn eine ganze Generation unter Einsatz einer Begrifflichkeit über einen Kamm geschoren wird.

Welchen Roman haben Sie in Ihrem Leben zu früh gelesen?

Ganz eindeutig «Haben oder Sein» von Erich Fromm. Es war mir schlicht zu anspruchsvoll. Alleine die Terminologie war für mich damals undurchschaubar. Heute ist das Buch aktueller denn je. Angesichts des Klimawandels muss eine auf Konsum fixierte Gesellschaft ihre Lebensweise ändern , davon bin ich natürlich nicht ausgenommen. Orientierung in solchen Zeiten bietet mein Lieblingsbuch, «Briefe an einen jungen Dichter» von Rainer Maria Rilke.

Hinweis

In der Rubrik «Gebucht» erzählen Prominente von ihren Lesegewohnheiten.