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Geborgenheit und Trauer

Die in Regensdorf lebende, aus Taiwan stammende Künstlerin Angela Lin zeigt in der Macelleria d'Arte Bilder in unterschiedlichen Maltechniken. Lins Auge richtet sich auf die Schönheit in der Kunst.
Brigitte Schmid-Gugler
Mit verbundenen Augen das Schöne wollen: Die Künstlerin Angela Lin vor «Oriental Beauty». (Bild: Michel Canonica)

Mit verbundenen Augen das Schöne wollen: Die Künstlerin Angela Lin vor «Oriental Beauty». (Bild: Michel Canonica)

Das Rot vor der Türe weitet sich aus und aus. Bald wird es, gleich einem wuchernden Schwamm die Schwelle des Kunstraums erreichen, auf dass hier, wie für die letzte Vernissage ausgerollt und noch nicht weggeräumt, kein roter Teppich mehr notwendig sein wird. Rot ist die Farbe, die in Angela Lins Bildtafeln fehlt; Rot, sagt sie, die freundlich Lächelnde, sei ihr zu üppig, zu dominant und sei fern ihrer, man ahnt's, sanften Gefühlswelt.

Angela Lin hatte in Taiwan ein Kunststudium absolviert und arbeitete als Designerin im Verpackungssektor, als sie ihren damals in St. Gallen wohnhaften heutigen Ehemann kennenlernte. Er war zwecks eines Intensivkurses in Sinologie nach Taiwan gereist, und hatte dort neben den Studien der Chinawissenschaften noch den offenen Blick der jungen Grafikerin gekreuzt. 1993 kamen die beiden gemeinsam in das Land, von dem die Künstlerin zwei ganz besondere Dinge kannte und als Kind besessen hatte. Ihre Eltern hatten von einer Europareise einen Beutel Sugus und ein putziges Plastikchalet mitgebracht. In seinem Innern lief, mittels Knopfdruck verschieb- und einäugig verfolgbar, die Diafolge vom «Heidi» ab.

Trauer verarbeiten

Mit der Überzeichnung und dem Weiterführen solcher Sujets könnte Angela Lin im heutigen Hype der Gegenwartskunst möglicherweise mithalten: Während sich in diesen Tagen die internationale Kunstmarktszene durch die Art Basel drängt, verbreitet hier am Roten Platz höchstens das Flair des benachbarten Geldinstituts, benannt nach dem Namen des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einen Hauch von Wertvermehrung. Lins Themen erheben nicht den Anspruch, der obersten Kunstliga anzugehören, vielmehr suchen sie das Zeitlose, das seine Wurzeln im «Auf einen Stern zugehen» haben könnte; ein Weg, auf dem es auch Traurigkeit und den Versuch des Überwindens gibt.

Angela Lin hatte nach der Scheidung von ihrem sehr jung geehelichten taiwanesischen Ehemann jeden Anspruch an die gemeinsame Tochter verloren. Gemäss einer entsprechenden Regelung durfte sie das damals kleine Mädchen nie mehr sehen, der Kontakt zu ihm wurde vollständig unterbunden. Erst vor kurzer Zeit stiess sie dank eines Blogs auf deren Spur; Mutter und Tochter, letztere ist heute 22 Jahre alt, fanden endlich zueinander. Man kommt nicht umhin, die Werke vor diesem Hintergrund zu lesen: Der üppige Leib einer schwangeren Frau ohne Gesicht; die an den Stil der konkreten Malerei angelehnte grossflächige Bildtafel einer weiblichen Figur mit verbundenen Augen; und das Hinüberschweifen zu den Sehnsuchtsbildern zwischen hier und dort; zwischen Titeln wie «Verloren», «Bleiben», oder «Das verschwundene Gesicht».

Heimat finden

Den kaum versiegten Tränen nächtlicher Träume stellt sie den weiten Blick in eine neue Heimat entgegen, die sie vorerst als «Fremde» empfing. Dennoch liess sie sich, malend, mit ihr ein. 2006 gab sie ihren Beruf auf und wandte sich ausschliesslich der Malerei zu. Ihre Bildstoffe kreisen abstrakt um reissende Wasser und in dessen stille Tiefen, impressionistisch über grünes Hügelland; sie streifen in einer Mischung aus Kohlestift und Öl durch lichte Wälder und in die Geborgenheit des eigenen Blumengartens. Ersichtlich ist ihre Haltung, sich mal- und stiltechnisch nicht festzulegen. Offensichtlich auch ist ihre innige Hingabe an die Malerei, in transparent-präziser Setzung von Licht und dessen Streuung.

Bis 10. Juli, Macelleria d'Arte, Gartenstrasse 11, Di bis Sa 15 bis 19.30 Uhr

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