Gastspiel in der Unterführung

Das Bündner Kunstmuseum macht aus der Not eine Tugend: Weil es wegen Umbau geschlossen ist, nistet sich das Museum an fremden Orten ein. Zum Beispiel im Untergrund des Churer Hauptbahnhofs.

Roger Berhalter
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Plakat des St. Galler Künstlers Alex Hanimann im Churer Bahnhof. (Bild: pd)

Plakat des St. Galler Künstlers Alex Hanimann im Churer Bahnhof. (Bild: pd)

CHUR. Aha, wieder so eine Werbekampagne, die niemand versteht. Oder doch nicht? Seit ein paar Tagen hängt ein Plakat des St. Galler Künstlers Alex Hanimann in der Unterführung des Churer Bahnhofs. Zwischen Auto- und Tourismuswerbung prangt das erste von mehreren Sujets, das Hanimann zum Thema «Kunst und Museum» gestaltet hat. Mit Schreibmaschine und Bleistift hat der Künstler gearbeitet und vor allem Linien und rudimentär vereinfachte Zeichen verwendet, um der gängigen Ästhetik der Werbung etwas entgegenzusetzen. Bis Dezember soll jeden Monat ein neues Plakat zu sehen sein.

Kunst an neuen Orten

Die Plakataktion von Alex Hanimann ist eines von mehreren Gastspielen des Bündner Kunstmuseums. Das Museum wird derzeit erweitert und umgebaut und bleibt geschlossen. Aus der Not macht das Kunstmuseum eine Tugend und plant während der Auszeit Gastspiele an verschiedenen Orten. Kürzlich informierten die Museumsverantwortlichen über ihre Pläne. Museumsdirektor Stephan Kunz zeigte sich erfreut über die Auszeit, wie die «Südostschweiz» berichtet: «Durch unser <Gastspiel>-Programm kommt Kunst an Orte, wo sonst keine Kunst gezeigt wird.»

Als Beispiel erwähnte Kunz die Ausstellung in der Psychiatrischen Klinik Waldhaus in Chur. Dank der dort gezeigten Werke des Art-Brut-Künstlers Michael Pankoks sei einerseits das Kunstmuseum in der Klinik präsent, anderseits würden Menschen die Klinik besuchen, die sonst wohl nie dorthin gehen würden.

Von Zürich bis Zug

Bisher sind acht Gastspiele konkret. Das Bündner Kunstmuseum spannt zum Beispiel mit dem Zürcher Landesmuseum zusammen, bespielt das komplette Kunsthaus in Zug und eröffnet eine Ausstellung im Rätischen Museum in Chur. Weiter sind im Juni in der Villa Garbald in Castasegna Bilder der St. Galler Fotografin Katalin Déer zu sehen.

Weitere Gastspiele sollen folgen, so ist das Bündner Kunstmuseum gemäss «Südostschweiz» auch im Gespräch mit der Martinskirche in Chur. Bis mindestens Februar 2016 will das Museum sein Gastspiel-Programm weiterführen, bevor es im Juni 2016 wieder eröffnet.