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Auf einen Kaffee mit ... dem Amriswiler Gallus Frei-Tomic, der sich mit Leib und Seele für das Buch einsetzt

Literaturvermittler Gallus Frei-Tomic gestaltet von Hand Literaturblätter mit Lesetipps, moderiert Lesungen und organisiert Lesezirkel. Ab Sommer 2020 ist er zudem Programmleiter des Literaturhauses Thurgau in Gottlieben.
Urs Bader
Gallus Frei-Tomic lebt für die Literatur. Bild: Reto Martin

Gallus Frei-Tomic lebt für die Literatur. Bild: Reto Martin

Da ist einer mit Herzblut und Idealismus am Werk. Das wird rasch klar. Kaum haben wir uns im Bistro Cartonage beim Amriswiler Kulturforum hingesetzt, erzählt Gallus Frei-Tomic von seinem Engagement für die Literatur. Sie ist das Leben für den 57-Jährigen – jedenfalls das halbe. Zu 70 Prozent ist er in Amriswil Primarlehrer. «Ich unterrichte immer noch sehr gerne», sagt er, «der Freitag und der Samstag gehören aber der Literatur.»

Als Literaturvermittler bewältigt er ein Schwindel erregendes Pensum. Er gibt Literaturblätter heraus, betreibt eine Onlineplattform mit eigenen Rezensionen, Porträts, Interviews und literarischen Gastbeiträgen, organisiert Lesezirkel und Lesungen, die er oft moderiert. Er wirkt an den St.Galler Literaturtagen «Wortlaut» mit, gestaltet mit Florian Vetsch das Programm im «KultBau» in St.Gallen und sitzt in der Kulturstiftung des Kantons Thurgau. Ferner ist er Blog-Partner des Schweizer Buchpreises und Mitinitiant der Internationalen Tage für improvisierte Musik und Poesie L111, die im November im Theater 111 in St.Gallen stattfinden.

Lesen ist Reisen im Kopf

Stets mit Leib und Seele bei der Sache zu sein, hat Frei vor vier Jahren in ein Burn-out gestürzt. Damals hat der fünffache Vater – die Kinder sind inzwischen aus dem Haus – sein 100-Prozent-Pensum als Lehrer reduziert: «Und ich habe lernen müssen, meine Energie zu bündeln und Grenzen zu erkennen.»

Freis Leidenschaft für die Literatur wurde im Lehrerseminar geweckt. Sein Deutschlehrer habe ihn zum Lesen angestiftet – mit der keinen Widerspruch duldenden Feststellung: «Ein Lehrer liest.» Und das tat er fortan auch. «Die nächsten 20 Jahre habe ich nur Bücher von Schweizer Autoren und Autorinnen gelesen, die zwischen dem Ersten Weltkrieg und 1960 erschienen waren. Dafür war ich viel in Antiquariaten auf Schatzsuche.»

Seinen Fokus hat er inzwischen längst geweitet. Mit Blick auf seine Vermittlungstätigkeit sagt Frei: «Ich bin weniger ein Literaturkritiker als vielmehr ein Leser, der seine Erfahrungen teilen möchte.» Dabei könne der Inhalt genauso in Bann ziehen wie die Sprache. «Lesen ist für mich Reisen im Kopf, das Eintauchen in fremde Erfahrungswelten, aus dem sich neue Einsichten ergeben können», sagt er.

Seinen Fokus hat er inzwischen längst geweitet. Mit Blick auf seine Vermittlungstätigkeit sagt Frei: «Ich bin weniger ein Literaturkritiker als vielmehr ein Leser, der seine Erfahrungen teilen möchte.» Dabei könne der Inhalt genauso in Bann ziehen wie die Sprache. «Lesen ist für mich Reisen im Kopf, das Eintauchen in fremde Erfahrungswelten, aus dem sich neue Einsichten ergeben können», sagt er.

Von Hand gestaltete Rezensionen

Seine Literaturblätter entstanden schliesslich, weil er oft gefragt worden sei: «Hast du mir einen Lesetipp?» Vor zehn Jahren fing Frei dann an, auf einer A4-Seite vier von Hand gestaltete und geschriebene Rezensionen zu versammeln, ergänzt um eine Zeichnung und/oder grafische Elemente: kleine Kunstwerke. Kopiert, werden die Blätter per Post an Abonnenten verschickt, zurzeit 200, die für 50 Franken in zwei Jahren zehn Blätter erhalten.

Die Rezensionen sind Empfehlungen von Büchern, die Frei wichtig sind. Verrisse schreibt er keine, auch nicht auf seiner Onlineplattform, die vor dreieinhalb Jahren dazugekommen ist. Auf den jüngsten Blättern, 45 und 46, werden Bücher etwa von Davide Enia, Tabea Steiner, Anna Stern oder Klaus Merz empfohlen.

Mit seinem Engagement für die Literatur sieht sich Gallus Frei-Tomic manchmal auch in der Rolle eines Don Quijote, obwohl er gut in der Szene vernetzt ist. «Aber Bücher liegen mir nun mal am Herzen. Und die vielen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Lesern sind bereichernd. Ihre oft geäusserte Wertschätzung meines Tuns lässt mich Stolz empfinden auf das Erreichte.»

literaturblatt.ch; gegenzauber.literaturblatt.ch

Wechsel im Literaturhaus Thurgau

11.10.2019. Der Stiftungsrat der Thurgauischen Bodman-Stiftung hat auf nächsten Sommer den Literaturvermittler Gallus Frei-Tomic zum neuen Programmleiter des Literaturhauses Thurgau in Gottlieben ernannt.

Der 57-jährige Gallus Frei-Tomic ist Primarlehrer, Literaturvermittler, Betreiber der Literaturwebseite literaturblatt.ch, Veranstalter und Moderator. Er hat in den letzten Jahren durch intensive Kontakte zu Autorinnen und Autoren, anderen Veranstaltern und Festivalleitungen ein breites Netz geschaffen und hofft, es in seiner Zeit als Programmleiter voll ausschöpfen zu können. Zudem wird er versuchen, neue, erfrischende Programmschwerpunkte nach Gottlieben zu bringen.

Marianne Sax, Buchhändlerin und Politikerin aus Frauenfeld, beendet nach den vereinbarten drei Jahren, Ende Juni 2020, die Tätigkeit als Verantwortliche des Literaturprogramms. Viele Topshots unter den Literaten wie Lukas Bärfuss, Peter von Matt oder Peter Bichsel hat Marianne Sax nach Gottlieben eingeladen. Der Stiftungsrat dankt ihr schon heute für ihr Engagement für die Literatur und das vielfältige Programm für das Literaturhaus Thurgau. (red)

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