Fusionierte Stile

HÖRBAR ROCK Vor vier Jahren wurden Justice mit ihrem Début «?» zu Hohepriestern des Electrorock-Revivals. Sie vereinten donnernde Electro-Beats und verzerrte Synthiesounds mit krachenden Rockgitarren und funky Bässen.

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HÖRBAR ROCK

Vor vier Jahren wurden Justice mit ihrem Début «?» zu Hohepriestern des Electrorock-Revivals. Sie vereinten donnernde Electro-Beats und verzerrte Synthiesounds mit krachenden Rockgitarren und funky Bässen. Ihr mit Spannung erwartetes neues Werk «Audio, Video, Disco» zeichnet sich dadurch aus, dass Justice die zum Klischee verkommene Fusion dieser Stile mit einer neuen oder zumindest unerwarteten Ästhetik auffrischen. Xavier de Rosnay und Gaspard Augé haben ihr Klanggerüst mit Prog-Rock-Elementen umhüllt. Tracks wie «Horsepower» oder «Civilization» bohren sich sofort in die Gehörgänge. Allerdings greifen Justice auch mal daneben und lassen die Platte zum Ende hin etwas abflachen.

Justice: Audio, Video, Disco (Ed Banger/Warner Music)

Atmosphärisch zeitlos

Passend zur Winterzeit drehen Real Estate die Zeit zurück – nicht um eine Stunde, sondern um ein paar Jahrzehnte. Das Quintett aus New Jersey klingt dabei kein bisschen verstaubt, sondern zeitlos. Ihre luftigen Gitarrenfiguren und warmen Bassläufe, die leichtfüssig um Martin Courtneys sonnigen Gesang tänzeln, ziehen sich wie ein roter Faden durch die zehn Tracks. Ein Faden, der einen fesselt, bis man diesem atmosphärischen Surf-Pop hilflos ausgeliefert ist. Vor allem aber ist «Days» eine Platte, die mit jedem Hören noch grösser wird und immer wieder neue Ornamente im Klangmuster offenbart.

Real Estate: Days (Domino/Musikvertrieb)

Lausanner Rock

Auf ihrem zweiten Album bestätigen The Mondrians das Lob, das ihnen für ihr Début entgegengeflogen kam. In nur sieben Tagen in einer Hütte auf dem Land aufgenommen, verströmt «To The Happy Few» eine angenehme Unbekümmertheit und stürmische Spielfreude, ohne den Fokus für ein in seiner Schiefheit rundes Gesamtbild zu verlieren. Die Lausanner versuchen gar nicht, ihren ungezügelten Indie Rock in ein Korsett zu zwingen, sondern lassen ihn gekonnt zwischen Stilfarben und Stimmungen mäandrieren und gelegentlich auch ausbrechen. Herrlich.

The Mondrians: To The Happy Few (Irascible)

David Gadze

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