Skulpturenausstellung im Weiertal: Für Grün herrscht Warnstufe Rot

«Alles im grünen Bereich?» lautet die Frage der aktuellen Freiluft-Skulpturenausstellung im Kulturort Weiertal in Winterthur. Beteiligt sind unter den rund drei Dutzend Kunstschaffenden auch solche aus dem Thurgau und St. Gallen.

Martin Preisser
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Green in rot (Kathrin Bänziger) trifft auf den grünen «WannaBe Tree» von Vivi Linnemann (rechts).

Green in rot (Kathrin Bänziger) trifft auf den grünen «WannaBe Tree» von Vivi Linnemann (rechts).

Bilder: Martin Preisser

Das Motto der diesjährigen Ausstellung mit Skulpturen und Installationen ist bewusst mit Fragezeichen gestellt. «Alles im grünen Bereich?» Leider nicht mehr. Da stolpert man bei Maria Knecht-Zemp förmlich über geschmolzene Plastiksäcke. Ungesund, giftig glänzend, ein wenig an Innereien erinnernd, unheimlich. Bei Kathrin Bänziger lesen wir das Wort grün und sehen rot. Die Natur ist fragil und in ihrem Gleichgewicht bedroht. Das Ökosystem ist an vielen Stellen nicht mehr im Gleichgewicht.

Hundert Kunstschaffende haben sich bei Maja von Meiss vom Kulturort Weiertal in Winterthur um eine Teilnahme an der Sommerausstellung beworben, drei Dutzend werden jetzt gezeigt. Wieder lädt der wunderbare Park zum Entdecken von speziellen Skulpturen, aber auch kinetischen Installationen ein. Etwa drei grüne Biomülltonnen, die Sabina Gnädinger sich skurril unterhalten lässt. Jedenfalls haben sie eine «grosse Klappe». Veronika Dierauer zeigt eine zerdrückte PET-Flasche in Form einer riesigen Marmorskulptur. Marmor als unvergängliches Material stellt ein billiges Massenkunststoffprodukt dar, das nicht mehr leicht aus der Welt zu schaffen ist und die Ozeane verschmutzt.

«Trash Talk» von Sabina Gnädinger.

«Trash Talk» von Sabina Gnädinger.

Das Thema Überfischung oder allgemein das Ausbeuten der Natur, die Gier mit grossen Instrumenten in kleinen Ökosystem zu hantieren: Eine überdimensionierte «XXXL»-Angelrute von Urs Schmid gemahnt daran und gibt dem sonst so idyllischen Weiertal-Teich eine neue, aufrüttelnde Note.

Vielfältige Ideen und spezielle Materialien

Die Galeristin Maja von Meiss hat für ihre Arbeit vor zwei Jahren den Kulturpreis der Stadt Winterthur bekommen. Das Preisgeld hat sie in die neue Ausstellung investiert. Und setzt bei ihrer, dieses Jahr im Gegensatz zu den Weiertal-Biennalen nur von ihr kuratierten Schau, auf Vielfalt an Ideen, an speziellen Materialien und auch Überraschung. Da wird der Bach durchaus poetisch von Conny K. Wepfer mit Vlies-Flügeln bespielt. Humorvoll türmt Hans Thomann Gartenzwerge, mit Autolack übersprüht, aufeinander. Symbolisieren diese die Sehnsucht nach einer heilen Welt, so erinnert Brigitte Basergas «Baumseele» daran, was Bäume an Kraft und Energie in sich tragen. Die Künstlerin hat mit Lehm ein etwas finsteres Gesicht in die Baumrinde eingefasst, fast ein wenig an einen kritischen antiken Gott erinnernd.

«Farbfernsehen» von Kathrin Severin.

«Farbfernsehen» von Kathrin Severin.

Wie zerbrechlich alles ist und unkalkulierbar, daran erinnert im Moment die Coronakrise. Zerbrechlich ist aber auch die Natur, auch wenn Klimaschutz wegen der Pandemie gerade weniger weitergedacht wird. Die Arbeiten im Weiertal-Park sind erneut genau auf den Ort bezogen und überraschen mit viel Fantasie, auch in spielerischer Hinsicht.

Hinweis

Bis 13.9.; Do–Sa: 14–18, So: 11–17 Uhr. Kulturort Weiertal, Winterthur. www.galerieweiertal.ch