Funken für Venedig

Biennale Venedig Bice Curiger, Direktorin der 54. Biennale in Venedig, erläuterte gestern im Kunsthaus Zürich ihr Ausstellungskonzept ILLUMInazioni. Jetzt sind die Namen bekannt.

Ursula Badrutt Schoch
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Ein Feuerwerk der Kunst bietet die diesjährige Biennale in Venedig, unter anderem mit den Malereien des 2003 verstorbenen Jack Goldstein, der Licht als Lebensenergie verstand. (Bild: Gerhard Born)

Ein Feuerwerk der Kunst bietet die diesjährige Biennale in Venedig, unter anderem mit den Malereien des 2003 verstorbenen Jack Goldstein, der Licht als Lebensenergie verstand. (Bild: Gerhard Born)

Endlich! Heuer kann die Biennale in Venedig besucht werden, und Tintoretto gehört dazu, nachdem die phantastischsten aller Malereien jeweils zum Regenerationsprogramm gehörten, wenn die Menge neuer Kunst die Sinne zu lähmen statt zu schärfen drohten. Jacopo Tintoretto (1518–1594), der Maler des Lichts, der fiebrig und ekstatisch die wohlgeordnete Renaissancewelt mit verwegenen Kompositionen aus den Fugen hebt, ist wie geschaffen für eine Biennale, die ILLUMInazioni heisst.

Das Licht der Erkenntnis

Mit ILLUMInazioni rücken Curiger und ihr Artistic Organizer Giovanni Carmine einen Kunstbegriff ins Zentrum, der die intuitive Erkenntnis, die Erhellung des Denkens betont. Im Begriff ILLUMInazioni schwingt das Licht der Erkenntnis aus dem Zeitalter der Aufklärung ebenso mit wie Licht als eigentliches Thema der Kunst. Aber auch der Begriff der Nation wird beleuchtet.

Es gehe nicht um formale Analogien, erklärt Bice Curiger ihre Auswahl. Vielmehr soll der Bedeutung von Kunstwerken als bildhaften Energieträgern Nachdruck verschafft werden. Zum Künstler aus dem 16. Jahrhundert und weiteren älteren Positionen – ausser Tintoretto wird man auch der jüngst dank einer Ausstellung in St. Gallen im Museum im Lagerhaus entdeckten Jeanne Natalie Wintsch begegnen, aber auch Luigi Ghirri und dem Kanadier Jack Goldstein.

Die Jungen kommen

Mehr als ein Drittel aller Teilnehmenden ist jünger als 35 Jahre, ein neuer Rekord für die älteste aller Biennalen. Letztlich gehe es darum, der Bedeutung von Kunstwerken als bildhafte Energieträger Nachdruck verschafft. Diese Aufgabe übernehmen, um nur wenige Namen herauszupicken, Birdhead aus China, Mariana Castillo Deball aus Mexiko, Monica Bonvicini, Katharina Fritsch, Ryan Gander, Klara Liden, Navid Nuur, Roman Ondak, Amalia Pica, Cindy Sherman.

Der Parapavillon

Als Verbindungsglied zu den Länderpavillons lässt sich die neue Erfindung der Parapavillons verstehen, in denen Künstler wie Monika Sosnowska, Franz West, Song Dong und Oscar Tuazon Werke anderer Künstler präsentieren. Während ihr Vorgänger Harald Szeemann sich für die breite Anerkennung von Gegenwartskunst einsetzte, gehe es heute darum, sie vor Vulgaritäten zu schützen, so Curiger.

Und die Schweiz?

Von Schweizer Seite sind es – nicht all zu überraschend – Peter Fischli & David Weiss, Pipilotti Rist, Urs Fischer, Andro Wekua, ferner Shahryar Neshat, Fabian Marti, Mai-Thu Perret und Bruno Jakob, die in Venedig anzutreffen sein werden. In Abstimmung mit ILLUMInazioni erarbeitet Thomas Hirschhorn einen «Crystal of Resistance», während Andrea Thal im Viertel der Fundamente Nuove unter dem Titel «Chewing the Scenery» ein mehrteiliges Projekt realisiert.