Fulminantes, bitterböses Kammerspiel

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Filmbesprechung Die erfolgreiche Politikerin Janet ist ganz oben angekommen: Die fünfzigjährige Exponentin einer linken Oppositionspartei hat erfahren, dass ihre Partei (Party) sie für die künftige Regierung als Gesundheitsministerin bestimmt hat. Das muss mit einer Party gefeiert werden. So lädt sie mit ihrem Mann, dem Unidozenten Bill, drei befreundete Paare ein. Als erste treffen die blonde alt Aktivistin April und ihr Mann, der deutsche Naturheiler Gottfried, im geräumigen Londoner Appartement ein; kurz darauf steht Martha, eine lesbische Professorin, in der Tür. Und wenig später Jinny, Marthas fast dreissig Jahre jüngere Lebenspartnerin, die gerade von einem Arzttermin kommt. Als auch noch der junge Banker Tom eintrifft, der sich dafür entschuldigt, dass es bei seiner Frau etwas später wird, scheint einem Abend unter Freunden nichts mehr im Wege zu stehen. Dass etwas nicht stimmt in dieser frohen Runde, wird in der ultrakurzen Eröffnungsszene klar. Und als dann Bill den schockierten Gästen von seiner unheilbaren Krankheit erzählt und er diesem – für alle neuen – Geständnis noch ein weiteres hinzufügen will, ist das noch harmlos, verglichen mit dem, was an Intrigen, Betrügereien und Leichen im Keller in den folgenden sechzig Minuten (und in Echtzeit) ans Tageslicht kommt.

Alle bekommen sie ihr Fett ­ ab in diesem irre überdrehten Kammerspiel in meisterhaftem Schwarz-Weiss, das als Reigen der Leidenschaften mit grandiosen Wortgefechten auftrumpft: Feministinnen, Machos, Esoteriker, Banker und – zuallererst – eine heuchlerische Classe Politique, die längst aufgehört hat, das eigene Gesülze von sozialem Zusammenhalt und Gerechtigkeit ernst zu nehmen.

Es ist ein unglaubliches Star-Ensemble, das die britische Regisseurin und Drehbuchautorin Sally Potter für ihren achten langen Spielfilm versammelt hat: Kristin Scott-Thomas (Janet), Timothy Spall (Bill), Patricia Clarkson (April), Bruno Ganz (Gottfried), Cherry Jones (Martha), Emily Mortimer (Jinny) und Cillian Murphy (Tom). Die sieben Schauspielkoryphäen geben hier alles in diesem Geniestreich einer grossen Cineastin. Aus der Vergangenheit bringt man die Regisseurin eher mit experimentellerem Kino («Orlando», «The Tango Lesson») in Verbindung, als mit einer in der Tradition britischer Konversationsstücke stehenden, bitterbösen Tragikomödie. Doch die frühere Musikerin Sally Potter ist immer für Überraschungen gut.

Geri Krebs