Für Gott und J. R. Ewing

Wolfgang Pampel leiht wichtigen Leuten gern seine Stimme. Zum Beispiel Indiana Jones, zum Beispiel J. R. Ewing. Gestern war er in St. Gallen, um für das Musical Moses die Worte Gottes zu sprechen. Rolf App

Drucken
Teilen
Gott spricht aus dem Off – und Wolfgang Pampel wird ihm im Musical «Moses» seine Stimme leihen. (Bild: Coralie Wenger)

Gott spricht aus dem Off – und Wolfgang Pampel wird ihm im Musical «Moses» seine Stimme leihen. (Bild: Coralie Wenger)

Wenn man ihn so anschaut, könnte er ganz gut als Moses durchgehen mit seinem kurz gestutzten weissen Bart. «Schauen Sie mal», sucht Wolfgang Pampel auf seinem iPhone ein Bild vom Sommer, das ihn mit noch längerer Mähne zeigt: «Da sehe ich aus, wie man sich Gott so landläufig vorstellt.» Gott: Das ist auch die Rolle, derentwegen er vom heimatlichen Altaussee in Österreich ans Theater St. Gallen gekommen ist. Er spielt ihn hier im Musical «Moses», allerdings nur als Stimme aus dem Off.

Synchronisieren und Theater

Natürlich kommt einem diese etwas rauhe und angenehm tiefe Stimme sofort irgendwie bekannt vor. «Das ist doch… J. R. Ewing», sagt man dann vielleicht, wenn man «Dallas»-Liebhaber ist. Oder «…Indiana Jones», wenn man Harrison Ford im Ohr hat. Unter den Synchronsprechern ist Wolfgang Pampel der wohl bekannteste, auch Gérard Depardieu spricht mit seiner Stimme, Michael Caine, Anthony Hopkins und viele andere mehr.

Allerdings ist das Synchronisieren immer nur ein Teil seiner Arbeit gewesen. «Ich habe neben dem Synchronisieren immer Theater gespielt», erzählt der heute 67-Jährige, der mittlerweile nur noch dies und jenes macht. «Das Nebeneinander erwies sich auf die Dauer doch als ziemlich anstrengend. Obwohl ich es auch als dankbare Ergänzung empfunden habe. Denn man kommt da an Sachen ran, die man vielleicht sonst nicht spielen würde.»

Geburt im Bombenhagel

Zur Welt gekommen ist Wolfgang Pampel am 3. April 1945 in Leipzig, mitten im Bombenhagel am Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Vater steckt in Kriegsgefangenschaft, als er zurückkommt und «das Regiment an sich riss, kam mir das sehr bedrohlich vor», erzählt der Sohn. Beide Eltern arbeiten, die DDR ist die DDR und für Wolfgang Pampel «eine Selbstverständlichkeit».

Bis er mit sechzehn Jahren anfängt, Propaganda und Wirklichkeit miteinander zu vergleichen. «Dieses Bewusstsein der Lüge hat sich dann kontinuierlich verstärkt bis zu dem Zeitpunkt, da ich dachte: Ich kann nicht mehr.» 1974 setzt er sich während eines Gastspiels in den Westen ab, bekommt ein Engagement in Düsseldorf, später in Berlin, dann am Wiener Burgtheater.

Die Synchronsprecher-Karriere entwickelt sich parallel. Schon an der Leipziger Schauspielschule sammelt er erste Erfahrungen, in Düsseldorf spricht er Western. «Der erste Film, den ich gemacht habe, stammt übrigens vom selben Regisseur wie <Dallas>.»

Das Synchronisieren hat sich in Wolfgang Pampels Zeit verändert. «Am Anfang gab es neben dem Tonmeister einen Tonassistenten», erzählt er. Der wurde als erster eingespart. Dann kam der Übergang weg vom Magnettonband hin zur digitalen Aufnahme, «mit der Folge, dass man nicht mehr zusammen etwas aufnimmt, sondern nur noch alleine.»

Heute hat das Synchronisieren deshalb weit weniger als früher mit Schauspielerei zu tun, es ist technischer geworden. Am Anfang steht eine Rohübersetzung des Filmtextes, den ein Autor auf die Mundbewegungen des Originals abstimmt. «Dann gibt es die entscheidenden Stellen, die Lippenlaute. Die sieht man deutlich, also sollte im Text auch ein Lippenlaut stehen.» Und wenn das gut gemacht ist, «dann geht's fast von selbst».

Allerdings verfolgt man als Zuseher die Mundbewegungen nur dann, wenn einen die Geschichte nicht interessiert. «Ein Regisseur hat mir mal gesagt: <Schau dem Typen auch beim Synchronisieren nicht auf die Lippen. Schau ihm in die Augen. Dann weisst Du, wann der Impuls kommt zu sprechen.>»

Der hektische Louis de Funès

Für einen Synchronsprecher gibt es einfachere und schwierigere «Kunden». «Louis de Funès zum Beispiel mit seiner unbeschreiblichen Hektik ist schwer zu synchronisieren», sagt Wolfgang Pampel. Heute sowieso. Denn er hat festgestellt, dass er mit dem Älterwerden langsamer geworden ist. «Wir haben vor einiger Zeit einen frühen Gérard-Depardieu-Film in Teilen nachsynchronisiert und gestaunt, wie schnell wir früher gesprochen hatten», erzählt er. «Mein Berliner Kollege am andern Ende der Leitung hat geschmunzelt und gesagt: Na, da kommen wir alten Säcke nicht mehr mit.»

Kein Bildnis von Gott

Den Gott im «Moses» allerdings kann Wolfgang Pampel in gesetzterem Tempo sprechen. Auf der Bühne spielen will er ihn nicht, trotz des durchaus passenden Äusseren. «Gott als alter Mann mit weissen Haaren – das stammt aus einer sehr frühen Zeit.» Heute könnten wir uns einen solchen Schöpfer nicht mehr vorstellen. «Das biblische <Du sollst dir kein Bild von mir machen> bedeutet ja auch: <Du kannst dir kein Bild von mir machen.>»

Aktuelle Nachrichten