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Für einmal erlebte man die Berliner Philharmoniker hautnah

Die Eröffnung der Konzerthalle in Andermatt durch die Berliner Philharmoniker stand am Sonntag für höchste Ansprüche. Und sie bewies: Der staunenswerte Saal wird auch ohne Hybrid-Akustik die Konkurrenz unter den Alpen-Festivals beleben
Urs Mattenberger
Konzertsaal mit Blick ins Grüne: Die Berliner Philharmoniker im Eröffnungskonzert am Sonntag in der Konzerthalle Andermatt. (Bild: pd)

Konzertsaal mit Blick ins Grüne: Die Berliner Philharmoniker im Eröffnungskonzert am Sonntag in der Konzerthalle Andermatt. (Bild: pd)

Vor zehn Jahren gab der ägyptische Investor Samih Sawiris seinen «Traum» bekannt, in einem Konzertsaal klassische Musik in sein Resort in Andermatt zu bringen. Zum Traum gehörte explizit der Wunsch, die Berliner Philharmoniker im Bergdorf auftreten zu lassen. Unmöglich, dachte man damals reflexartig.

Aber jetzt, am Sonntag, ist der Traum wahr geworden. Der nachträglich ins Hotel Radisson Blue integrierte Konzertsaal (Ausgabe vom 8. Juni) wurde mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker eingeweiht – stürmisch und mit sattem Klang, der einen in den vordersten Reihen hautnah überwältigte und auch auf dem Balkon jene Dringlichkeit erzielte, die man sich von jedem Konzert wünscht.

Das Geheimnis der Hybrid-Akustik

Die grosse Frage vor dem Eröffnungskonzert war aber die nach der High-Tech-Akustik des Saals, der je nach Orchestergrösse 450 bis 700 Plätze bietet. Würde man die künstliche Verlängerung des Halls hören, die 27 über der Bühne aufgehängte Mikrofone und unsichtbar im Raum verteilte Lautsprecher ermöglichen? Das Programm ging für diesen Test keine Risiken ein. Die Berliner traten unter der Leitung von Constantinos Carydis mit 45 Musikern an, der Standardbesetzung, in der historisch informierte Sinfonieorchester heute Mozart spielen. Und Sinfonien von Mozart und Streichorchester-Werke von Schostakowitsch passten bestens in den Konzertsaal.

Gewiss ist dessen Akustik im Vergleich zu grossen Sälen wie jenem des KKL relativ trocken. Allerdings war genügend Nachhall da, damit sich Instrumentengruppen kompakt verbanden und der Klang selbst nach abrupten Orchesterschlägen keineswegs brutal abgeschnitten wurde. Zudem wirkte das engagierte Spiel der Berliner der Trockenheit entgegen und profitierte davon. In der Prager Sinfonie ermöglichte das federnde Spiel und das plastische Relief in kantablen Passagen eine Körperlichkeit, die sich in halligeren Akustiken fast von selbst einstellt. Umgekehrt kamen explosive Akzente und rasend schnelle Tempi scharf und kristallklar zur Geltung.

In der Kammersinfonie in ­c-Moll und zwei für Streichorchester bearbeiteten Stücken für Streichoktett von Schostakowitsch staunte man, welch saftig-orchestraler, selbst in solistischen Passagen aufblühender Klang hier möglich ist. War da doch die Hybrid-Akustik mit im Spiel? Für die Akustik des Andermatter Konzertsaals ist das Büro von Eckhart Kahle zuständig, der einst involviert war in die Akustik im KKL. «Bei einem so tollen Orchester wie den Berliner Philharmonikern möchte man möglichst ohne Verstärkung auskommen», sagt Kahle dazu: «Und auf keinen Fall darf man diese wahrnehmen.» So waren die Mikrofone zwar angeschaltet, aber der Hall wurde nur im hinteren Bereich des Publikumsraums diskret gestützt: «Alles, was Sie von der Bühne her hörten, waren die Berliner Philharmoniker pur.»

Kammermusik-Trend im Orchesterformat

Damit war das Eröffnungskonzert vor allem ein Test für die natürliche Akustik des Saals. Dieser überträgt quasi den in der Kammermusik gängigen Trend hin zu intimen Räumen aufs Orchesterformat. Für noch grössere Besetzungen – die Rede ist von bis zu 75 Musikern – dürfte es eng werden. Aber mit mittleren Besetzungen bietet der Andermatter Konzertsaal ein sinfonisches Erlebnis, das in dieser Direktheit und physischen Intensität in grossen Sälen nicht zu haben ist.

Damit ist Andermatt dem Ziel, kulturell mit anderen Alpenfestivals mitzuhalten, einen grossen Schritt näher gekommen. So oder so ist der Saal, «eine Stunde entfernt von Zürich und Mailand» (Sawiris), eine Chance für weitere Konzertpläne. Zumal er auch ästhetisch punktet – mit seiner ­hellen Origami-Auskleidung, dem Ausblick ins Freie und Schallreflektoren, die von aussen her wie Skulpturen hinter der Bandverglasung über der Bühne schweben.

Die nächste Bewährungsprobe steht am 28. und 29. Juni mit Konzerten des Andermatt Swiss Alps Classics an. Eigene Akzente setzt der künstlerische Direktor des Konzertsaals, Max Fane. Er präsentiert jeden Monat einen Young Artist sowie drei mehrtägige Festivals: in Zusammenarbeit mit Lucerne Festival, mit Stargast Daniel Barenboim und mit dem New Generation Festival, mit dem Fane in Florenz ein jüngeres Publikum anspricht.

www.andermattmusic.com

Die neue «Andermatt Konzerthalle» ragt wie ein Eisberg aus dem Boden. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Die neue «Andermatt Konzerthalle» ragt wie ein Eisberg aus dem Boden. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Auch bei Nacht macht das Gebäude Eindruck. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)Auch bei Nacht macht das Gebäude Eindruck. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)
Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: pd)Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: pd)
Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: pd)Die Berliner Philharmoniker gaben am Sonntag, 16. Juni 2019, das Eröffnungskonzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt. (Bild: pd)
Investor Samih Sawiris (Mitte) zeigte sich am Eröffnungskonzert bestens gelaunt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Investor Samih Sawiris (Mitte) zeigte sich am Eröffnungskonzert bestens gelaunt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Grosser Ansturm auf das Konzert der Berliner Philharmoniker. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Grosser Ansturm auf das Konzert der Berliner Philharmoniker. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Das Foyer der neuen Konzerthalle. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Das Foyer der neuen Konzerthalle. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)
Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)
Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)Blick in den Konzertsaal. (Bild: Roland Halbe, Andermatt, 14. Juni 2019)
Regierungsrätin Heidi Z'graggen erschien ganz in rot. Auch dabei waren Regierungsrätin Barbara Bär (links) und Regierungsrat Urban Camenzind (rechts).Regierungsrätin Heidi Z'graggen erschien ganz in rot. Auch dabei waren Regierungsrätin Barbara Bär (links) und Regierungsrat Urban Camenzind (rechts).
Andreas Meier, Hoteldirektor des Radisson Blu, (rechts) und Max Fane machten die Gäste mit Glocken darauf aufmerksam, die Plätze einzunehmen. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Andreas Meier, Hoteldirektor des Radisson Blu, (rechts) und Max Fane machten die Gäste mit Glocken darauf aufmerksam, die Plätze einzunehmen. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Galakleider waren angesagt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Galakleider waren angesagt. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Auch Ständerat Filippo Lombardi (Mitte) war dabei. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Auch Ständerat Filippo Lombardi (Mitte) war dabei. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
Regierungsrat Urs Janett (Mitte) mit seiner Frau Beatrice Kovodouris im Gespräch mit dem Andermatter Gemeinderat Jost Meier. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)Regierungsrat Urs Janett (Mitte) mit seiner Frau Beatrice Kovodouris im Gespräch mit dem Andermatter Gemeinderat Jost Meier. (Bild: Urs Hanhart, Andermatt, 16. Juni 2019)
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Die neue «Andermatt Konzerthalle» ist eröffnet

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