Für einmal ein Liebesroman

Monique Schwitter erhält den Schweizer Buchpreis für den verspielten Liebesroman «Eins im Andern». An der Verleihung in Basel setzte sie sich gegen vier Mitnominierte durch und bekommt 30 000 Franken.

Hansruedi Kugler
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Monique Schwitter bei der gestrigen Verleihung des Schweizer Buchpreises in Basel. (Bild: ky/Patrick Straub)

Monique Schwitter bei der gestrigen Verleihung des Schweizer Buchpreises in Basel. (Bild: ky/Patrick Straub)

Das inoffizielle Publikumsvoting lag gestern komplett daneben: 56 Prozent der 1135 Stimmen, die beim Schweizer Fernsehen eingegangen waren, sahen Dana Grigorceas «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» mit grossem Vorsprung in Front. Die spätere Siegerin Monique Schwitter hingegen lag mit bloss 9 Prozent ganz am Schluss der Fünferliste. Das Rennen sei knapp gewesen, räumte Jury-Präsidentin Corina Caduff vor der Öffnung des Sieger-Couverts ein. Auf der Shortlist standen zwei weitere Romane: Ruth Schweikerts «Wie wir älter werden» und Meral Kureyshis «Elefanten im Garten», sowie Martin R. Deans Essayband «Verbeugung vor Spiegeln».

Kunstvoll komponierter Roman

«Eins im Andern» ist ein flott zu lesender Liebesroman: originell und konsequent in der Komposition, mit einer ganzen Reihe skurriler Einfälle. Die 40jährige Erzählerin und Mutter zweier Kleinkinder googelt ihren ersten Freund Petrus und stellt erschreckt fest, dass dieser vor Jahren aus dem Fenster eines Hochhauses gesprungen ist. Der Schrecken setzt Erinnerungen frei: An Petrus und an die Liebschaften, die gefolgt sind. Gerade die kompositorische Verarbeitung des Stoffes hat seinen Reiz: 12 Namen, 12 Apostel, 12 Geschichten, 12 Kapitel – Monique Schwitters verwebt sie zu einem kunstvollen Liebesroman.

Susanna Petrin, Kulturredaktorin bei der Basellandschaftlichen Zeitung, hielt die Laudatio und lobte insbesondere das «dichte Romangeflecht in dem die Zeiten, die Geliebten und die Motive in alle Richtungen verweisen.» Trotz strikter Struktur, die sich die Autorin auferlegt, wirken die Geschichten nie künstlich erzwungen. Die Metaphern und Textverweise, die Symbolik und die wechselnden Stilebenen verwandeln den Roman in ein komplexes Kunstwerk: «Das ist das Schöne an Literatur: Dass sich reale und realistische Geschichten mit Symbolen, Märchenhaftem und Surrealem aufladen lassen. Monique Schwitter tut das unaufdringlich und mit viel Witz», sagte die Laudatorin.

Geteilte Literaturkritik

In «Eins im Andern» gibt die Autorin Monique Schwitter durch die Romanfigur viel von sich preis. Die Selbstbespiegelung und die gelegentlich ermüdenden Lebens- und Alltagsbeschreibungen wurden in den Kritiken deshalb zu Recht kritisiert. Die Literaturkritikerin des «Spiegel» verspottete das Buch deshalb gar als «Verweigerung der schriftstellerischen Arbeit». Mit dieser Verurteilung lag sie natürlich falsch, zeigt aber wieder einmal, wie gespalten die Literaturkritik auf Bücher reagiert. In der Schweizer Presse hatte Schwitter nämlich vorwiegend wohlwollende bis euphorische Kritiken bekommen. So handelten die Kritiker des «Tages Anzeiger» und der «Basler Zeitung» Monique Schwitter gar als Favoritin für den Buchpreis. Nicht zuletzt waren diese Beurteilungen beflügelt durch die fast gleichzeitige Nomination ihres Buches für den Deutschen Buchpreis. Den hat sie dann allerdings nicht bekommen.

Schauspielerin und Literatin

Die 1972 in Zürich geborene Monique Schwitter studierte Theaterregie und Schauspiel in Salzburg, war an Theatern in Zürich, Hamburg, Graz und Frankfurt engagiert. Ihr literarisches Schreiben habe mit Liebesbriefen begonnen, sagt sie. Für ihr Début «Wenn's schneit beim Krokodil» wurde sie 2006 mit dem Robert-Walser-Preis und dem Förderpreis der Schweizer Schillerstiftung ausgezeichnet. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Hamburg.