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Wortlaut-Flaneurin: Frühlingssonne gegen Literatur 1:1

Ein nachmittäglicher Streifzug durch die St. Galler Literaturtage, wo satirischer Klamauk, Tell als visuelles Hörspiel und ein beglückendes Gedichte-Pingpong serviert wurden. Dafür sitzt man auch bei prallem Sonnenschein gerne in dunkle Säle.
Katja Fischer De Santi

Samstagnachmittag 14 Uhr: Draussen gibt die Frühlingssonne alles, drinnen in der dunklen Grabenhalle schreit Matto Kämpf «Schweine!!» ins Mikrofon. Zusammen mit Sibylle Aeberli liest der Satiriker, Komiker und Autor aus seinem Roman «Tante Leguan» vor. Ein pointenstarker Roman, triefend vor Ironie und Kulturpessimismus. Die 45 Minuten im Dunkeln fliegen dahin, zum Schluss performt Aeberli an der E-Gitarre eine Hommage an die 1980er-Jahre. Damals als Plastik cool und Rauchen selbst in Bus und Lift kein Problem war. Kämpf macht dazu die Taschenlampendisco. Nach dieser schräg-nostalgischen Performance ist die grelle Frühlingssonne wie ein Schlag ins Gesicht.

Wilhelm Tell im Palace

15 Uhr: Im «Palace» ist es wieder schön dunkel und kuschlig. Die alten Kinosessel füllen sich zögerlich mit lichtscheuen Gestalten. Vorne sitzt das Herausgeber-Trio des Luzerner «Ampel Magazins». Zwei Comiczeichner und eine Comiczeichnerin, die so ungefähr einmal im Jahr mit Hilfe anderer Illustratoren ein Magazin stemmen. Nr. 18 sei gestern erst fertig geworden, erzählen sie. Nichts weniger als Schillers «Wilhelm Tell» haben sie sich vorgeknöpft. Zu dritt präsentieren sie eine gekonnte Mischung aus Lesung, Diashow und Hörspiel. Es blitzt und donnert am Vierwaldstättersee, Gessler poltert, das Volk zürnt, auf dem Rütli wird «fremden Richtern» ab- und auf «ein Volk von einig Brüdern» geschworen. Der Tellsche Schuss triff Gesslers Brust und am Schluss sind alle frei, aber klönen wie eh und je. Ein visuell gelungener Ritt durch eine zeitgeistige «Tell»-Version. Dringend empfohlen als Schullektüre.

Lyrisches Ping-Pong im Splügeneck

16 Uhr: Der Klosterplatz ist voll von Sonnenanbetern, im «Splügeneck» werden zusätzliche Stühle aufgestellt. Zeit für etwas Lyrik von zwei Ostschweizern: Florian Vetsch und Claire Plassard. Sie 29, er 59 Jahre alt, verbunden durch die Liebe zum Wort, den Gedichten. Seit 2011 schicken sie sich gegenseitig Texte, spielen feinsinniges Gedanken-Pingpong, «zweckfrei und befreiend» wie Vetsch sagt. Soeben ist ihr zweites gemeinsames Buch erschienen: «Ein feiner Faden, der alles zusammenhält». Dass hier zwei zusammengefunden haben, die sich schätzen, anspornen und inspirieren, ist an der Lesung mit jedem Wort zu spüren. Mag draussen das Leben grad laut sein, drinnen ziehen Plassard und Vetsch «Korken aus den Löchern ihrer Herzen» und stellen «den Verstand auf mute». Beseelte Minuten. Danach ist ihr neuer Gedichtband auf dem Büchertisch innert Kürze ausverkauft.

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