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Früher Elvis, heute ein Troubadour mit Lautenliedern: Joel Frederiksen switcht zwischen Minnegesang und Folksongs

Der amerikanische Sänger und Lautenist Joel Frederiksen wird in zwei Konzerten der St. Galler Festspiele einen Bogen spannen vom Minnesang bis zu Balladen der 1970er-Jahre von Nick Drake. Ihm widmet er ein Requiem, gespielt auf alten Instrumenten.
Bettina Kugler
Joel Frederiksen, Sänger und Lautenist. (Bild: PD)

Joel Frederiksen, Sänger und Lautenist. (Bild: PD)

Der eine gehört zum Kanon der deutschen Literaturgeschichte, der andere gilt als «einer der bekanntesten Unbekannten des Pop». Jahrhunderte und Welten liegen zwischen dem letzten Minnesänger Oswald von Wolkenstein und dem britischen Singer-Songwriter Nick Drake, 1974 im Alter von nur 26 Jahren verstorben. Der Amerikaner Joel Frederiksen rückt sie in unmittelbare Nähe: in zwei Konzertprogrammen im Rahmen der diesjährigen St. Galler Festspiele – als Troubadoure wie Manrico in der Oper «Il Trovatore» von Giuseppe Verdi, der Festspiel-Hauptproduktion auf dem Klosterplatz.

Dem Folksänger Nick Drake wird Frederiksen mit dem von ihm gegründeten Ensemble Phoenix München ein Requiem singen, in einer Kombination aus Gregorianischem Choral, englischen Liedern des Elisabethanischen Zeitalters von John Dowland, Michael Cavendish und Thomas Campion sowie Songs von Nick Drake, arrangiert für alte Instrumente – für Laute, Theorbe und Gambe.

Das erste Lautenkonzert war eine Offenbarung

Frederiksen selbst steht in der Tradition der Troubadoure: Seine Auftritte erwecken eine lebhafte Vorstellung vom einstigen Erzählen durch Balladen. Er hat sich einen Namen als Sänger gemacht, im Stimmfach eines tiefen Koloraturbasses und mit Schwerpunkt auf Alter Musik. Und er begleitet sich oft selbst auf der Laute – eher ungewöhnlich für seine Stimmlage.

In Washington studierte Joel Frederiksen neben Gesang auch Folkmusik und hörte bei einem Konzert seinen Gitarrenlehrer Laute spielen. «Da war es um mich geschehen», erinnert er sich, «ich musste unbedingt selber eine Laute haben.» Vorbei die Zeiten, in denen er Gitarre spielte und dabei so sein wollte wie Elvis Presley. Oder sich als Singer-Songwriter mit Songs wie von Bob Dylan das Collegestudium finanzierte.

Der Liebe wegen kam Joel Frederiksen 1999 nach München und gründete das Ensemble Phoenix; zuvor hatte er zehn Jahre in New York gelebt. Etliche CDs hat er mit dem renommierten Huelgas Ensemble aufgenommen und sich dann mit dem Ensemble Phoenix an Soloalben gemacht. «Requiem for a Pink Moon», das Nick Drake und seinen melancholischen Songs gewidmete Programm, ist eines davon, ein anderes «The Elfin Knight»: Dafür hat Frederiksen Balladen aus dem angelsächsischen Raum für Laute und Gesang arrangiert.

Aus beliebten Zugaben wurde ein Balladen-Album

Songs wie «Scarborough Fair» hatte er hin und wieder als Zugabe am Ende von Konzerten gesungen – und dabei gemerkt, wie gut das Publikum darauf ansprach. Was auch daran liegt, dass Frederiksen als Sänger gern Geschichten erzählt, sie auf natürlich-unmittelbare Art präsentiert, ganz gleich, ob die Lieder von einem Minnesänger des späten Mittelalters stammen, aus dem reichen Schatz der Barden und Troubadoure oder der Lautenlieder der Renaissance.

Auch geistliche Musik singt Joel Frederiksen so expressiv wie innig, mit weitem Stimmumfang, kerniger Tiefe, grosser Beweglichkeit. Und macht damit verstummte Singer-Songwriter wie Drake und Wolkenstein unsterblich.

«Oswald von Wolkenstein – Reflexionen»: So 7.7.2019, 19.30 Uhr, Schutzengelkapelle St. Gallen; «Requiem for a Pink Moon»: Di 9.7.2019, 19 Uhr, Kirche St. Laurenzen, St. Gallen.

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