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Frölein Da Capo baut sich live ein Orchester auf

Wie kommt es, dass man auf dem Schweizer Nationalinstrument nicht einmal unsere Landeshymne spielen kann? Die Luzernerin Frölein Da Capo geht in ihrem dritten Programm diesen und ähnlichen Fragen auf den Grund.
Roman Kühne
Irene Brügger-Hodel zeigt ihr drittes Soloprogramm. Bild: PD/Elisa Brügger

Irene Brügger-Hodel zeigt ihr drittes Soloprogramm. Bild: PD/Elisa Brügger

Es ist schon erstaunlich, was diese Frau auf die Beine stellt. In Personalunion an Trompete, Eu­phonium, Klavier, Rhythmus, Blockflöte und Gesang, meist vielstimmig, gestaltet Frau Irene Brügger-Hodel alias Frölein Da Capo einen Abend voll mit Musik, Humor, Charme und zwischendurch auch etwas Nachdenklichkeit. Zwar ist sie schweizweit bekannt durch ihre Auftritte in der Satiresendung «Giacobbo/Müller», wo sie zwischen den Sketchen Musikstücke zum Besten gab. Doch wirklich ihr Potenzial ausspielen, ihre eigene Linie und Form präsentieren war dort nur begrenzt möglich.

Zu kurz waren die Einsätze, zu statisch wohl das Setting. Ganz anders ist es, dieses musikalische Vieltalent auf der Bühne zu erleben. In ihrem dritten Programm, das am Mittwoch in der Stadtmühle in Willisau seine Premiere hatte, präsentiert sie einen geschlossenen, dramaturgisch austarierten und überzeugenden Abend. Der Auftritt ist im Prinzip eine lose Aneinanderreihung von Songs, oft selbst komponiert, immer eigenhändig getextet. Ihr wichtigstes Werkzeug ist eine Loop Station.

Alles wird im Moment geschaffen

Dabei verzichtet Frölein Da Capo, abgesehen von zwei Ausnahmen, wo sie eine Männerstimme einsetzt, auf Einspielungen. Alles wird live und aus dem Moment geschaffen. Dies kann ziemlich komplex werden. Zuerst klatscht sie mit den Händen einen Rhythmus, ergänzt diesen mit einem Beat auf dem Gitarrenholz. Dann werden nacheinander zwei Trompetenlinien aufgenommen und darüber noch drei Ebenen von Gesang gelegt. Sicher, die Akkordik ist einfach gehalten. Dennoch ist es spannend, diesen Aufbau des «Orchesters» live mitzuerleben. Fast akrobatisch und mit viel Konzentration ist die Schauspielerin konstant auf den verschiedensten Ebenen beschäftigt. Eine Art Sketche im Quadrat. Besonders witzig ist ihre Frühlingsinterpretation, wo sie verschiedene Vogelstimmen aufeinanderschichtet, das «Chiflen» und Geflatter in Geräusche und Melodien fasst.

Dann ist die Künstlerin auch musikalisch auf der Höhe. Vor allem mit ihrem Gesang und stimmlichen Improvisationen reist sie das Publikum mit. In einer Minute drei verschiedene Singebenen aufeinander einzupassen, ist nicht ganz ohne. Stilistisch bewegt sie sich durch die verschiedensten Gefilde, von Klassik über den Blues und keltische Klänge bis hin zu Schnulzen im Stile einer Mariah Carey. Aus dem bekannten Volkslied «Es Burebüebli mani nid» macht sie eine waschechte Bluesvariante, mit dem dreistimmigen Hintergrundsgesang «Mani nid», soulig und hart. Oder zur Musik von Richard Wagner kreiert sie ein Konzert für Handtasche solo. Ein ständiges Knistern und Rascheln, bis zum Finale endlich das Ricola gefunden und verspeist ist.

Ein vergnüglicher Abend

Zwischen die Musikstücke streut sie immer wieder Texte ein. Besonders gelungen ist ihre tragisch-komische Beschreibung des Auftritts der Dorfmusik anlässlich einer schwülen 1.-August-Feier. Wo zum Höhepunkt dann das Alphorn den Schweizer Psalm intoniert, dem aber naturgegeben ein paar Töne fehlen. Verglichen mit früheren Auftritten mimt sie nicht mehr die «Unschuld vom Lande», ist jetzt mehr Entertainerin. Dramaturgisch gibt es eine klare Steigerung im zweiten Teil. Ein roter Faden ist zwar nicht auszumachen, mit Ausnahme vielleicht der ständigen Seitenhiebe gegen eine – hoffentlich fiktive – Cousine.

Jetzt wird, neben den schnellen musikalischen Wechseln, auch noch eine Leinwand bedient. So präsentiert Frölein Da Capo unter anderem ein selbstgezeichnetes Familienalbum. Fazit: Es ist ein vergnüglicher Abend, inhaltlich eher auf leichte Kost ausgerichtet, ist das Musikalische jedoch durchaus anspruchsvoll. Zumindest was deren Produktion durch die Künstlerin betrifft.

Die Tournee dauert bis Ende November. Für das Kleintheater ­Luzern (12., 14., 15. September, 20.00 Uhr) sind Karten erhältlich. www.einfrauorchester.ch

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