Frivoles mit ernstem Unterton

Mit «Ein Käfig voller Narren» inszeniert Leopold Huber im See-Burgtheater Kreuzlingen einen Musical-Klassiker, der Geschlechterrollen in Frage stellt, für die Toleranz gegenüber Homosexuellen einsteht und die Macht der Liebe feiert.

Christina Genova
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Nachtclubbesitzer Georges (Andreas Zaron) und sein Käfig voller Narren. (Bild: Mario Gaccioli)

Nachtclubbesitzer Georges (Andreas Zaron) und sein Käfig voller Narren. (Bild: Mario Gaccioli)

KREUZLINGEN. Zaza liebt den grossen Auftritt. Mit Federboa, opulentem Schmuck und paillettenbesetzten Kleidern ist sie als Drag-Queen allabendlich der Star im Pariser Nachtclub La Cage aux Folles. Unterstützt wird sie dabei von den wahlweise mit Netzstrümpfen oder silbernen Hotpants bekleideten Cagelles, die mit frivolen Tanzeinlagen unterhalten.

Männer, die Männer küssen

Männer, die Frauenkleider tragen und sich küssen – im Musical «Ein Käfig voller Narren» ist das ganz normal. Regisseur Leopold Huber hat für die diesjährige Produktion des See-Burgtheaters einen Musical-Klassiker ausgewählt. Das historische Spiegelzelt im Seeburgpark bildet dafür den stimmungsvollen Rahmen. Als Plädoyer für die Toleranz gegenüber Homosexuellen kam das Stück 1973 in Paris zum ersten Mal auf die Theaterbühne, zehn Jahr später als Musical auf den Broadway. Seither hat sich bezüglich der Rechte von Lesben und Schwulen einiges getan. Doch solange Bischöfe wie Vitus Huonder aus dem Alten Testament zitieren, um die Diskriminierung von Homosexuellen zu rechtfertigen, bleibt ein Musical wie «Ein Käfig voller Narren» erschreckend aktuell.

Sehnsucht nach Normalität

Zaza heisst eigentlich Albin und lebt seit zwanzig Jahren mit seiner grossen Liebe Georges zusammen, dem Betreiber des «La Cage aux Folles». Dieser versichert Albin glaubhaft: «Du siehst sogar im Bademantel toll aus.» Albin und Georges, das sind Helmut Mooshammer und Andreas Zaron, welche das alternde schwule Paar so hinreissend mimen, dass man es sofort ins Herz schliesst. In Nebenrollen glänzen die Butler-Zofe Jacob (Frank Wöhrmann) und der Inspizient Francis (Bastian Stoltzenburg). Zur unkonventionellen Familie gehört auch Jean-Michel, Georges Sohn. Vom Schauspielstudenten Michel Kopmann wird er als schwache, farblose Figur verkörpert, die sich im Gegensatz zu seinen Eltern nichts sehnlicher wünscht als ein Stück Normalität.

Tradition, Familie, Moral

Jean-Michel verkündet seinem überraschten Vater Georges, er wolle heiraten. Und seine zukünftigen Schwiegereltern hätten schon für den nächsten Tag ihren Besuch angekündigt. Das ist ein Problem, denn Anne, Jean-Michels Braut, kommt aus einer erzkonservativen Familie. Vater Edouard Dindon (Walter Küng) ist Abgeordneter der TFM, der Partei für Tradition, Familie und Moral. Schwule sind für ihn «Unkraut» und «Perverse». Um seine Anne (Maria Lisa Huber) nicht zu verlieren, will Jean-Michel den Dindons eine «ganz normale» Familie vorgaukeln. Deshalb muss seine «richtige» Mutter her und Albin ins Hotel. Er darf als Onkel Albert dann doch bleiben. Zu den amüsantesten Szenen des Musicals gehört das Training, das Albin absolviert, um als heterosexueller Mann durchzugehen. Doch am Ende kommt schliesslich alles anders, aber selbstverständlich mit Happy End. Generell fällt auf, dass die gesanglichen Leistungen im Vergleich zu den schauspielerischen etwas abfallen. Vor allem Mooshammer vermag als Albin stimmlich nicht zu überzeugen. Dazu kommt, dass die deutschen Texte der Songs sich auf dem Niveau von volkstümlichen Schlagern bewegen. Das Orchester unter der Leitung von Volker Zöbelin ist mit sechs Mitgliedern nur dünn besetzt.

Alles in allem ist «Ein Käfig voller Narren» eine rasante Komödie mit saftigen Anzüglichkeiten, viel Humor und einer ernsten Botschaft, die einen Abend lang gute Unterhaltung bietet.

Weitere Aufführungen: Di–Sa, 16.7.–11.8., 20.30 Uhr Infos und Reservationen: www.see-burgtheater.ch