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Lucerne Festival: Fritz Hauser macht das KKL zum Star

Mit «Rundum» am Samstag und «Schraffur» zur Eröffnung des gestrigen Erlebnistages profilierte sich «composer in residence» Fritz Hauser als Konzeptkünstler mit Gespür für Raum – und Institutionen.
Katharina Thalmann

Aus musikjournalistischer Sicht sind die beiden Konzerte relativ schnell abgehandelt: «Rundum» ist laut Fritz Hauser ein «zeitloser Klangstrom ohne Kanten und Ecken, ohne Solo, ohne Melodie, ohne irgendetwas.» Und genau das bot am Samstag die Aufführung im Konzertsaal des KKL. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Stück machte den Namen zum Programm und präsentierte sich als bisweilen effektvoller Surround-Sound mit durch den Saal schreitenden Musikerinnen und Musikern der Lucerne Festival Academy.

Während einer Stunde gab es keine Zäsur, kein Innehalten, keine Brüche, keinen Widerstand. Besonders schön waren jene Momente, in denen die Orgel einsetzte oder sich ein Dickicht von Kuhglocken im Saal ausbreitete. Derlei Klanginstallationen existieren in der Musikgeschichte, seit im 16. Jahrhundert die Kirchenchöre auf verschiedenen Emporen platziert wurden und gipfelten in Werken wie Stockhausens «Gruppen», das am 9. September in Luzern zur Aufführung gelangt.

Ambient Music für den Konzertsaal

Auch «Schraffur für Gong und KKL Luzern» machte dem Titel alle Ehre: Fritz Hauser und sein kleiner Gong sassen allein auf der grossen Bühne, die über 200 Schraffierenden waren in Gruppen auf den Rängen verteilt. Diese wurden von Stimmführern aus den Reihen der Academy in Tempo und Lautstärke des Schraffierens angeleitet. Auch hier hörte man mehr eine Klanginstallation denn eine Komposition, wobei sich «Schraffur» ästhetisch eher in den Gefilden der Ambient Music bewegte.

Spannungsvolle Momente wie bei «Rundum» stellten sich hier nicht ein. Es schien, als hätte die exzeptionelle Akustik des Konzertsaals der Sache einen Strich durch die Rechnung gemacht: Da sich Klangfarbe und Dynamik fast durchgehend auf halblautem oder halbleisem Niveau bewegten, spielte es kaum eine Rolle, ob das kontemplative Zirpen vom zweiten oder vierten Balkon kam.

Und somit gelangt die Reflexion beim weissen Saal des KKL an, dem eigentlichen Star der beiden Programme. Hier muss das Feld des Musikjournalismus verlassen und ein zarter Vorstoss in die Kulturkritik gewagt werden. Für die Mitwirkenden, für die Bevölkerung, war es sicherlich eine Bereicherung, mitzuschraffieren. Und ein angenehmer Nebeneffekt von über 200 Schraffeuren und Schraffeurinnen waren die gut gefüllten Parkettreihen – zu Recht stolz auf den Auftritt im KKL, luden alle Beteiligten Gäste ein.

Neues Publikum und Öffnung der manchen als elitär geltenden Kulturveranstaltungen sind die Gebote der Stunde. Das gelingt dem Festival mit Fritz Hauser. Und dieser navigiert äusserst geschickt durch den Archipel der Ansprüche und versteht es, den Festivalbetrieb zu seinem Instrument zu machen. Im Spiel mit dem KKL und seiner Kundschaft liegt seine ausserordentliche Virtuosität.

Er hat erkannt, dass es heutzutage nicht nötig ist, in mühseliger Arbeit an Unspielbarkeit grenzende Partituren zu komponieren. Denn auch improvisierend entstehen vergleichbare Effekte. Und er versteht sich darauf, das KKL als prestigeträchtiges Kulturhaus auf vergleichsweise niederschwellige Art und Weise zu inszenieren, mit Klang und Licht zu schmücken. Doch wenn die Form den Inhalt übertönt und nicht die Musik, sondern der Raum der Protagonist ist, stellt sich auch die weiterführende Frage, welche kulturellen Aussagen den künstlerischen Entscheidungen zugrunde liegen.

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